Samstag, 26. Oktober 2013

Mächte, Fürstentümer, Herrschaften

Nichts Menschliches spiegelt sich im Leuchten der Antlitze und im hellen Schwingen der "Mächte". Sie deuten an, dass die Schönheit der göttlichen Macht von den sündenbefangenen Sterblichen nicht begriffen, sondern nur iin demütigem Schweigen verehrt werden kann. Sie schenken den Menschen Entschlossenheit, sich Gefahren zu erwehren und verteidigen ihre Existenz gegen die allgegenwärtige dämonische Bedrohung. Doch Engelsmächte sind nie Automatismen, die auf Knopfdruck reagieren, wie es der Mensch von seinen Apparaten gewohnt ist. Sie sind Persönlichkeiten, die nur dann in Beziehung zum Diesseits treten können, wenn ihre Zuwendungsbereitschaft erkannt und geschätzt wird. - Die "Fürstentümer" leuchten wie weißer Marmor. Sie tragen Menschenhäupter, aus denen Feuer flammt. Von der Schulter abwärts umhüllt eine silberfarbene Wolke ihre Gestalt. Sie sind die Vorbilder derjenigen, die über die Menschen herrschen, Kaiser, Könige, Fürsten, Präsidenten, Kanzler und Minister. Diese Regenten erfüllen ihre Aufgaben nur dann in rechter Weise, wenn sie nicht der Selbstüberhebung, Unzuverlässigkeit und Profitgier verfallen. Ihr Haupt ist Christus und sie haben die Pflicht, nach seinem demütigen Vorbild ihre Regierungsgeschäfte zum Nutzen der Menschen zu führen. Sie können nur dann fest und beständig in der Kraft der weisen Urteilsfähigkeit herrschen, wenn sie den Inspirationen des Heiligen Geistes gehorchen, der sie zu glühendem Eifer für die Wahrheit entfacht. Diese fürstlichen Lichtgeister repräsentieren die ethisch-fundamentalen Prinzipien aller gesellschaftlichen Ordnungen. Staaten, die sich in gleichgültiger Missachtung darüber hinwegsetzen, geraten in Verfall. Verschwendungssucht, Inflation,Teuerung. Überschuldung, Mafiastrukturen und Anarchie sind die unausweichlichen Folgen. - Die "Herrschaften" sind Lichtgestalten mit Menschenantlitzen und Menschenfüßen. Sie tragen Helme und sind umwallt von einer marmorfarbenen Tunika. Durch sie zeigt Gott der unheilbedrohten Menschheit, dass er ihr durch die Sendung seines Sohnes zu Hilfe eilt. Wenn sie die rettende Hand ergreift und Christi Botschaft in die Tat umsetzt, kann die Vernunft auf Menschenfüßen einherschreiten und sich zu ihrer ursprünglichen Größe erheben. Die "Herrschaften" sind Lehrer, die auf einen Weg geleiten, der die gefallene Menschheit aus der Tiefe der Tierähnlichkeit in die Höhe der wahren Humanität emporführt. Ihr Symbol ist das Ohr, das Organ des Hörens, Vernehmens und Befolgens.

Samstag, 19. Oktober 2013

Engel, Erzengel, Kräfte

Die "Engel" sind der unterste der neun Engels-Chöre. Hildegard sieht sie in einem blitzenden, strahlenden Kreis. Ihre menschlichen Antlitze zeigen leuchtende Offenbarungen geistiger Schönheit. Sie sind beflügelt, ihr Verlangen drängt sie flugschnell zur Durchführung ihrer Aufträge. Sie achten sorgsam auf die Erfüllung des göttlichen Willens und bringen alle menschlichen Werke vor Gott. Die Aufgaben dieser Begleiter sind Wachsamkeit und Schutz. Jedem Menschen ist von Geburt an ein Engel zugewiesen. Er steht ihm lebenslang als wachsamer und beschützender Weggefährte zur Seite, verhilft seiner Seele am Ende des Lebens zur Ablösung vom Leib, führt sie vor das Antlitz Gottes und geleitet sie sogar in den Himmel oder ins Fegefeuer, am Höllentor würde unwiderruflich sein Auftrag enden. - An den lichten Kreis der "Engel" schmiegt sich in einer höherstehenden Ordnung der Chor der "Erzengel" an. Auch sie sind geflügelte Lichtgeister mit menschlichen Gesichtern, in ihren Antlitzen spiegelt sich das Bild Christi. Sie sind völlig auf das Erkennen des Willens Gottes ausgerichtet, weisen hin auf die Schönheit des heiligen Geistes und verherrlichen den göttlichen Logos, denn sie schauen seinen verborgenen Ratschluss, durch Jesus Christus in die weltliche Sichtbarkeit zu treten. "Erzengel" sind Verkünder der Inkarnation und dürfen der Menschwerdung des Gottessohnes den Weg bereiten. Die christliche Tradition verehrt die drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Michael verteidigt mit menschlicher Hilfe die Welt gegen das Böse, Gabriel überbringt Maria die göttliche Botschaft, er stärkt Christus nach der Begegnung mit Satan in der Wüste und tröstet ihn vor dem Erdulden der Passion, Raphael fungiert als Heilungsengel, als göttlicher Arzt und göttliche Arznei. - Auch die "Kräfte" sind Lichtgeister mit einem Menschenantlitz. In ihrem Sein spiegeln sie die Werke der Auserwählten und führen sie zu einem guten Ende. Sie verleihen den Menschen Mut und fordern von ihnen ein klares Ja oder Nein. Die Entscheidungsschlacht, die jedes Menschenleben bedeutet, kann nur aus Bekenntnis zu Gott oder Ablehnung seiner Gesetze bestehen. Die "Kräfte" vergegenwärtigen Tag für Tag ihrem Schöpfer das dramatische Ringen mit den dämonischen Mächten, das sich im Innerseelischen der Menschen abspielt. Es geht immer um die Fragen : "Gibt es Gott und damit eine Verantwortlichkeit vor seinen Geboten? Hat Gott den Menschen zur Freiheit erschaffen, steht er ihm trotz seiner Verfehlungen treu zur Seite und will er ihm Schuld und Sünde verzeihen?" Dazu ist Grundvoraussetzung die Abkehr von allen Verirrungen. Die Kampfengel stehen an dieser Wegkreuzung von Wahrheit und Trug. Sie können raten, aber nicht dem Menschen die Entscheidung abnehmen.

Samstag, 12. Oktober 2013

Das Wesen der Engel

"Die Engel sind mit Verstand und freiem Willen ausgestattete Geistwesen, die Gott am Anfang der Zeit zu seinem Dienst und zur Hilfe der Menschen aus dem Nichts erschuf. Die Kirchenlehrer sprechen von drei Engelshierarchien, jede Hierarchie ist in drei Chöre mit unterschiedlichen Aufgaben unterteilt. Die Engel besitzen Geistesschärfe, natürliche und übernatürliche Erkenntnis, denn sie schauen immerfort das Antlitz Gottes. Trotz ihres umfassenden und durchdringenden Wissens sind sie nicht allwissend. Sie sind den Menschen durch ihre reine Geistnatur weit überlegen, doch in Erfüllung des göttlichen Auftrags sind sie immer bereit, sie zu erleuchten, ihnen zu helfen und zu dienen, wenn sie darum gebeten werden. Gott hat den Engeln eine Reihe von Aufgaben anvertraut : sie wenden von ihren Schützlingen Gefahren und Übel des Leibes ab, sie verwehren den bösen Geistern, ihnen Schaden zuzufügen, sie flößen gute Gedanken und Anregungen ein, sie bringen ihre Gebete vor Gott und beten für sie. Jedoch geschieht alles unter der Voraussetzung des freien menschlichen Willens, überirdische Hilfe und Inspiration anzunehmen, das Böse zu erkennen und abzulehnen, sich regelmäßig im lobpreisenden, bittenden und fürbittenden Gebet an Gott zu wenden. Die Tragik der Engel liegt darin, dass die meisten Menschen sie nur als romantische Fabelwesen und nicht als reale Mächte wahrnehmen, zu denen durch eine verehrungsvolle Gebetskultur ein Freundschaftsverhältnis aufgebaut werden kann." (F.Holböck) - "Im Anfang der Welt schuf Gott den Himmel als Raum der Engel und des Lichtes. Diese Urwelt ist das Bild göttlicher Ordnung, ein leuchtendes Feuer. Mit dem Wort "Es werde Licht" erschuf Gott die Engel als jene besondere Strahlkraft. Das weitere Sechstagewerk erlebten die Engel als begnadete Mitwisser, als Zeugen und Eingeweihte der Weltwerdung des göttlichen Willens. Sie haben den gewaltigen Kraftakt der Schöpfung in der Weise miterlebt, dass Gott ihrem Gedächtnis alles Geschaffene für alle Zeit eingeprägt hat. Gott wollte sich des vollbrachten Werkes nicht allein erfreuen, er teilte Zufriedenheit und Wohlgefallen mit den Erstgeborenen und Lichterfüllten. Der Engel hat das innigste Verhältnis zur Schöpfung, er sieht sie in ihrer Gesamtheit, er besitzt in sich die Essenz der Welt. Engel sind Urmächte des Kosmos, ihr Wesen ist Lobpreis. Gott hat über jedes Ding im All einen Engel gesetzt und wirkt über diese Geister mitten in der Welt. Wie die Sonne nicht ohne Licht denkbar ist, so auch die Gottheit nicht ohne die vor Begeisterung flammende Engelsverehrung. Engel sind für uns Menschen nicht Geschöpfe einer entrückten Jenseitigkeit, sondern einer Welt, die uns beansprucht und herausfordert, wir dürfen als Leib- und Seelewesen am Leben der Engel teilnehmen. Die menschliche Haltung ihnen gegenüber ist Hochachtung und Dankbarkeit, keinesfalls Anbetung, denn die gebührt Gott allein. Auch ist es den Menschen nicht erlaubt, durch beschwörende Rituale den Versuch zu unternehmen, ihre Hilfe zu erzwingen.Trotz ihrer eminenten Bedeutung sind diese neun Engels-Chöre nicht Ziel und Mittelpunkt der Schöpfung. Natur und Geschichte der Welt waren im Heilsplan Gottes von vornherein auf den Menschen angelegt" (H.Schipperges).

Samstag, 5. Oktober 2013

Hildegards Frauenbild

Für Hildegard ergeben sich alle menschlichen Konstellationen aus der Schöpfungsgeschichte. Das erklärt auch die Unterschiede, die sich ergänzenden Veranlagungen und das Aufeinander-Angewiesensein von Mann und Frau. Den Mann hat Gott aus Lehm geformt und ihm eine Seele eingehaucht. Die Frau stammt vom Fleisch des Mannes, das hat weitreichende Folgen. Der aus Erde geschaffene Mann bedarf noch der Umwandlung in einen lebendigen Menschen aus Fleisch und Blut durch die Seele. Die Frau aus dem Fleisch des Mannes ist von Anfang an Leib und Seele. Dennoch ist sie nicht nur der in eine schöne Form gebrachte Anteil der männlichen Grundsubstanz. Hildegard denkt schon an die Menschwerdung des Gottessohnes durch eine Frau und räumt ihr von daher einen hohen Rang ein. Sie bezeichnet sie im Hinblick auf die Zukunft als "Haus der Weisheit", in dem Irdisches und Himmlisches zur Verwirklichung kommt. Unter dem "Irdischen" versteht Hildegard die Verwandtschaft des menschlichen Leibes mit der Erde, unter dem "Himmlischen" die Verwandtschaft der Seele mit dem Himmel. "Weisheit" bedeutet "Christus", der in Mariens Schoß die volle Menschheit aus Leib und Seele annimmt. - Gott gab Adam eine Hilfe in Gestalt der Eva. In ihr war schon das ganze Menschengeschlecht verborgen, das in der Schöpferkraft Gottes einst hervorgebracht werden sollte. Mann und Frau sind eng miteinander verbunden, nur in dieser Einheit ist der Mensch Gott ebenbildlich. Eva wurde aus Adam geschaffen. da aber Eva die Mutter des ganzen Menschengeschlechtes ist und jeder Mann aus einer Mutter hervorgeht, stammt wiederum der Mann aus der Frau. Beide Teile haben ihre wichtigen, genau begrenzten Aufgaben. Wenn dem Mann eine Dominanz zukommt, dann ist sie mit den großen Verpflichtungen verbunden, der Frau treu zu bleiben, sie und ihre Kinder zu ernähren, zu beschützen und zu leiten. Mann und Frau sind aber auch Gegensätze der Wirkungsrichtung und Realitätsbeurteilung, doch nur aus ihrer Vereinigung kann neues Leben entstehen. Sowohl für den Mann wie auch die Frau bedeutet es Mut, das völlig Andere zu akzeptieren, sich ihm anzupassen und alle Eventualitäten der Verschiedenheit zu ertragen. Wie Gott für immer seiner Schöpfung treu bleibt, erwartet er auch von seinem Ebenbild Treue, und zwar eheliche Treue sowohl zwischen Mann und Frau wie auch zwischen Mensch und Gott.