Samstag, 5. Oktober 2013
Hildegards Frauenbild
Für Hildegard ergeben sich alle menschlichen Konstellationen aus der Schöpfungsgeschichte. Das erklärt auch die Unterschiede, die sich ergänzenden Veranlagungen und das Aufeinander-Angewiesensein von Mann und Frau. Den Mann hat Gott aus Lehm geformt und ihm eine Seele eingehaucht. Die Frau stammt vom Fleisch des Mannes, das hat weitreichende Folgen. Der aus Erde geschaffene Mann bedarf noch der Umwandlung in einen lebendigen Menschen aus Fleisch und Blut durch die Seele. Die Frau aus dem Fleisch des Mannes ist von Anfang an Leib und Seele. Dennoch ist sie nicht nur der in eine schöne Form gebrachte Anteil der männlichen Grundsubstanz. Hildegard denkt schon an die Menschwerdung des Gottessohnes durch eine Frau und räumt ihr von daher einen hohen Rang ein. Sie bezeichnet sie im Hinblick auf die Zukunft als "Haus der Weisheit", in dem Irdisches und Himmlisches zur Verwirklichung kommt. Unter dem "Irdischen" versteht Hildegard die Verwandtschaft des menschlichen Leibes mit der Erde, unter dem "Himmlischen" die Verwandtschaft der Seele mit dem Himmel. "Weisheit" bedeutet "Christus", der in Mariens Schoß die volle Menschheit aus Leib und Seele annimmt. - Gott gab Adam eine Hilfe in Gestalt der Eva. In ihr war schon das ganze Menschengeschlecht verborgen, das in der Schöpferkraft Gottes einst hervorgebracht werden sollte. Mann und Frau sind eng miteinander verbunden, nur in dieser Einheit ist der Mensch Gott ebenbildlich. Eva wurde aus Adam geschaffen. da aber Eva die Mutter des ganzen Menschengeschlechtes ist und jeder Mann aus einer Mutter hervorgeht, stammt wiederum der Mann aus der Frau. Beide Teile haben ihre wichtigen, genau begrenzten Aufgaben. Wenn dem Mann eine Dominanz zukommt, dann ist sie mit den großen Verpflichtungen verbunden, der Frau treu zu bleiben, sie und ihre Kinder zu ernähren, zu beschützen und zu leiten. Mann und Frau sind aber auch Gegensätze der Wirkungsrichtung und Realitätsbeurteilung, doch nur aus ihrer Vereinigung kann neues Leben entstehen. Sowohl für den Mann wie auch die Frau bedeutet es Mut, das völlig Andere zu akzeptieren, sich ihm anzupassen und alle Eventualitäten der Verschiedenheit zu ertragen. Wie Gott für immer seiner Schöpfung treu bleibt, erwartet er auch von seinem Ebenbild Treue, und zwar eheliche Treue sowohl zwischen Mann und Frau wie auch zwischen Mensch und Gott.
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