Freitag, 27. Dezember 2013

Der Zug durch die Wüste

Auf dieser weiten Wanderung zog der Herr vor ihnen her und leitete sie, am Tag in einer Wolkensäule, des Nachts in einer Feuersäule. Er führte sie nicht auf kürzestem Weg aus Ägypten in die Wüste, sondern über das Rote Meer. Der Pharao bereute, dass er die Israeliten hatte ziehen lassen. Er verfolgte sie mit einem großen Heer, vor dem sie ins Rote Meer flohen. Ein starker Ostwind teilte das Wasser und sie gelangten trockenen Fußes ans andere Ufer. Als ihnen die Truppen des Pharao ins Meer folgten, schlugen die Wogen über ihnen zusammen und ertränkten Wagen, Ross und Reiter. Nun begann für Moses und sein Volk die Wüstenwanderung, die vierzig Jahre dauern sollte. Sie verlangte ihnen das Äußerste an Kraft ab und führte durch sämtliche Stufen der Unzufriedenheit und Verzweiflung. Für die Isrealiten war diese Reise trotz täglichen Elends und Mangels aber auch die Erfahrung göttlichen Wunderwirkens. Gott half nie sofort, er stillte erst dann Durst und Hunger, wenn sie unerträglich geworden waren. Dann aber ließ er eine Quelle aufbrechen und überschüttete sie mit dem himmlischen Brot Manna und mit essbarem Geflügel. Oft murrten sie und haderten mit Gott, vor allem aber mit Moses, der sie aus der relativen Sorglosigkeit des Sklavenhauses in die Utopie der Freiheit entführt hatte. Die Eintönigkeit himmlischen Brotes und Fleisches konnte ihnen auf die Dauer nicht die Fleischtöpfe Ägyptens ersetzen. Aaron, das Sprachrohr des Moses, musste sie unermüdlich zum Weiterziehen motivieren. - Moses führte sie nach weiten Märschen an den Fuß des Berges Sinai. Hier offenbarte sich Gott zum ersten Mal auf dramatische Weise seinem Volk. Er fuhr im Feuer auf den Berg herab. Unter Blitz, Donner und Posaunenklang verkündete er die zehn Gebote. Die Isrealiten wichen in panischer Angst zurück und beauftragten Moses, allein mit Gott zu sprechen. Moses stieg auf die Hohe des Berges mitten in die Wolke, die den Zurückgebliebenen wie ein verzehrendes Feuer erschien. Moses blieb vierzig Tage auf dem Berg und der Herr kündete ihm seine Gebote und Forderungen. Er gab ihm zwei Steintafeln, auf denen die zehn Gebote geschrieben standen, die näheren Erläuterungen ließ er ihn ins Bundesbuch eintragen. Inzwischen waren die Hebräer im Wüstenlager ungeduldig geworden und misstrauten Moses. Sie zwangen Aaron, aus ihrem goldenen Schmuck das Standbild eines Jungstiers zu gießen, das sie als Gottheit anbeteten und ekstatisch umtanzten. Als Moses zurückkehrte, geriet er in maßlosen Zorn und ließ durch den treugebliebenen Stamm Levi alle Abtrünnigen töten. Dann stieg er wieder auf den Sinai und flehte bei Gott für sein Volk. Außerdem klagte er dem Herrn sein Leid, mit der schweren Bürde der Verantwortung überfordert zu sein. Gott bestimmte, siebzig zuverlässige Männer zu Rat und Hilfe auszuwählen. Gott offenbarte ihm auch, in welcher Wohnung er verehrt sein wollte, er beschrieb ihm das heilige Zelt und seine Einrichtung, sowie Kleidung, Wohnung und Opferdienst der Priester. Zum Priesterdienst berief er Aaron und seine Söhne.

Freitag, 20. Dezember 2013

Moses

Moses ist der bedeutendste Prophet, Gesetzgeber und Führer der Isrealiten. Keinen anderen Patriarchen des Alten Testamentes hat Gott mit wichtigeren Aufgaben betraut, keiner fühlte sich der ungeheuren Verantwortung unfähiger als er, aber auch kein anderer besaß seine Energie und Treue. Seit Gott zum ersten Mal mit ihm sprach, war er ihm stets nahe, trotzdem gab es für Moses immer wieder Perioden des Schweigen Gottes und der Verlassenheit. Das Hauptproblem seines Auftrages bestand darin, Hebräer und Ägypter über göttliche Vorhaben zu informieren, die undurchführbar schienen. Erschwerend kam hinzu, dass er kein Mann des Wortes war, seine schwerfällige und gehemmte Sprechweise besaß wenig Überzeugungskraft. Zum Glück stand ihm sein wortgewandter Bruder Aaron in allen erforderlichen Situationen zur Seite. - Er wurde in einer Zeit geboren, in der die Isrealiten seit mehreren Generationen im reichen Ägypten Unterschlupf fanden, um der Hungersnot im eigenen Land zu entgehen. Sie wurden hier als fleißige, zuverlässige Gastarbeiter mit offenen Armen aufgenommen. Als ein neuer Pharao den Thron bestieg und sah, wie zahlreich sich die Kinder der Eingewanderten vermehrt hatten, beschloss er, sie zu verringern und befahl, alle neugeborenen Söhne zu töten. Eine Frau aus dem Stamme Levi gebar einen Sohn. Sie versteckte das schöne, wohlgestaltete Kind drei Monate lang, Als dies nicht mehr möglich war, setzte sie es in einem Korb aus Papyrusrohr im Schilf des Nils aus. Die Tochter des Pharao fand es dort, nahm es als eigenes Kind an und gab ihm den Namen Moses. Als Moses ein Mann geworden war, ging er zu seinen israelitischen Brüdern, die unter der Fronarbeit stöhnten. Da sah er, wie ein ägyptischer Aufseher einen Isrealiten schlug. Moses tötete den Ägypter. Als dies der Pharao erfuhr, wollte er Moses umbringen lassen, der aber floh ins Land Midian. Hier lebte er lange Zeit, heiratete Sappora, die Tochter eines Priesters und hütete die Schafe seines Schwiegervaters. Einmal trieb er sie weit über die Wüste hinaus bis an den Berg Horeb. Da sah er einen Dornbusch, der in Flammen stand und doch nicht verbrannte. Aus dem Dornbusch rief ihn Gott an und offenbarte ihm, dass er ihn ausersehen habe, das Volk Israel aus der ägyptischen Herrschaft zu befreien. Da ging Moses hin, holte Weib und Kinder und zog zurück nach Ägypten. Unterwegs schloss sich ihm sein Bruder Aaron an, den er in den göttlichen Auftrag einweihte. Sie sprachen zuerst mit den Ältesten der Hebräer. Als sie deren Vertrauen gewonnen hatten, gingen sie zum Pharao und verlangten von ihm den Abzug für ihr Volk. Die Freigabe gestaltete sich schwieriger, als nach den entwürdigenden Schikanen und der brutalen Unterdrückung der Isrealiten zu erwarten war. Langwierige Verhandlungen mit dem Pharao verliefen ergebnislos, bis Gott unerträgliche Plagen über Ägypten schickte. Nun erst ließ man sie widerwillig ziehen.

Freitag, 13. Dezember 2013

Der Bund mit Israel

Es geht Gott um die Zusammenarbeit mit den Menschen, dazu stellt er aber hohe Forderungen. Der Bund, den Gott einst mit Adam im Paradies geschlossen hatte, sollte sich auf die gesamte kommende Menschheit erstrecken. Doch Adam versagte und ließ sich vom Bösen abwerben. Auch der größte Teil seiner Nachkommen wählte den bequemen Weg der anarchistischen Selbstherrlichkeit und verursachte damit die Sintflut. Der neue Bund zwischen Gott und Abraham betrifft nur ein einziges Volk, Israel. Als Repräsentant dieser Verbindung wird Abraham auf Herz und Nieren geprüft. Gott kann ihn nur gebrauchen, wenn er sich geduldig seinen Plänen und Zeitmaßen anpasst. Als erste Aufgabe verlangt Gott von ihm, die Geborgenheit des Gewohnten zu verlassen und den Aufbruch ins Ungewisse zu wagen. Er soll nicht vor den bisherigen Pflichten davonlaufen, sondern vertrauensvoll einem Versprechen Gottes folgen. Abraham weiß aber genau, dass diese Auswanderung ohne Nachkommen eine Sackgasse bleiben wird. Gott verspricht ihm einen Sohn, wenn dies auch nach biologischen Gesetzen unmöglich erscheint, Sara und Abraham sind bereits hochbetagt. Das Hoffen gegen jede Hoffnung wird belohnt. Nun aber überrascht Gott Abraham mit einer unvorstellbar grausamen Forderung, er soll ihm diesen langersehnten Sohn aufopfern. Er ist bereit, auch diesem Verlangen widerspruchslos nachzukommen. Seine Heimat, sein Vermögen, sein Sohn sind unverdiente Geschenke Gottes, er ist jederzeit zur Rückgabe bereit. Doch Gott handelt nicht widersinnig, er gibt sich mit der Bereitwilligkeit zufrieden Nun erst, nach dieser härtesten Prüfung, ist Abraham fähig, ein auserwähltes Volk zu begründen. - Gottes Bedingungen sind eindeutig, er duldet keine fremden Götter neben sich, keine Vergöttlichungen blinder Naturkräfte, keine furchteinflößenden Götzen, deren Wohlwollen mit ausschweifenden Orgien und grausamen Blutopfern errungen wird. Als äußeres Zeichen des völligen Andersseins seines neuen Volkes verlangt Gott die Beschneidung der Männer. - "Hildegard versteht die Beschneidung als deutliches Zeichen dafür, dass der Mensch zu Gott gehört und sich auf ein Bündnis mit ihm eingelassen hat. Im Alten Bund will Gott damit den verlorenen Menschen an sich binden und ihn wieder zur Kooperation gewinnen. Im Neuen Bund geschieht dies durch die Taufe, deren Vorbild die Beschneidung ist. Sie wird nicht einfach von der Taufe abgelöst, sie geht vielmehr auf die Taufe über, sie erfährt eine Veränderung und Ausweitung. Bezog sich die Beschneidung nur auf ein einziges Volk und in diesem nur auf die männlichen Nachkommen, verwandelt die Taufe Männer und Frauen aller Völker zu Kindern Gottes." (H.Gosebrink)

Freitag, 6. Dezember 2013

Abraham

"Die Finsternis, in die der Mensch durch die Sünde fiel, entwickelte eine Eigendynamik. Sie wuchs und breitete sich immer mehr aus. Dann erschienen in dieser Finsternis drei große Sterne und viele andere in hellem Schein funkelnd und schließlich ein riesengroßer Stern, der wunderbaren Glanz verbreitete. Auf der Erde erschien ein Licht wie die Morgenröte.- Hildegard beschreibt hier, wie der Mensch im Verlauf der Heilsgeschichte erleuchtet wird und schließlich seinen Glanz zurückerhält. Die drei großen Sterne sind die Erzväter im Glauben Abraham, Isaak und Jakob, ihnen folgen die verschiedenen kleinen Sterne der Propheten. Der riesengroße Stern ist Johannes der Täufer, der Vorläufer des Erlösers. Die Morgenröte bezeichnet die Jungfrau Maria, aus der der Lichtmensch Jesus hervorgeht." (H.Gosebrink) - Der Patriarch Abraham ist der Stammvater Israels. Der Legende nach stand er in den Diensten des gewaltigen Königs und Jägers Nimrod, trennte sich aber nach einem Zerwürfnis von ihm und wurde Viehzüchter. Sein ganzes Leben begleiten ihn göttliche Aufträge und Verheißungen, die ihm oft absurd erscheinen. Er kommt trotzdem den Wegweisungen gehorsam nach. Gott befiehlt ihm, die Geborgenheit seiner Heimat zu verlassen und mit Familie, Gesinde und Herden in ein fremdes Land aufzubrechen, das ihm Gott als bleibenden Besitz verheißt. Abraham ist ein tüchtiger Mann, er bringt es auch im fremden Land zu Wohlstand. Seine einzige Sorge ist die Kinderlosigkeit, seine außergewöhnlich schöne Frau Sara ist unfruchtbar. Eine seltsame Begegnung krempelt sein Leben um. Als er eines Tages vom Feld heimkehrt, sitzen drei Männer vor seinem Zelt. Es sind Boten Gottes und sprechen zu ihm mit göttlicher Vollmacht. Sie verheißen ihm einen Sohn und zahlreiche Nachkommen. Nach langer Zeit wird Sara schwanger und gebärt Isaak. Als dieser zum Knaben herangewachsen ist, befiehlt Gott Abraham, ihm das Kind zu opfern. Abraham bindet Isaak und legt ihn auf den Holzstoß, den er auf den Altar geschichtet hat. Als er die Hand mit dem Messer erhebt, um seinen Sohn zu schlachten, hält ihn ein Engel davor zurück und spricht zu ihm im Namen Gottes: "Strecke deine Hand nicht aus gegen diesen Knaben, denn nun habe ich erkannt, dass du gottesfürchtig bist. Weil du mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten hast, segne ich dich und will deinen Stamm mehren wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresufer. Durch deinen Spross sollen alle Völker der Erde gesegnet werden, weil du auf meine Stimme gehört hast." - Viele Generationen später wird wieder ein Sohn geopfert, doch diesmal tritt kein rettender Engel dazwischen. Es ist Gottes eigener Sohn, den Henker ans Kreuz schlagen und qualvoll sterben lassen. Doch er opfert sich freiwillig für seine sündigen Menschenbrüder. Er bleibt nicht im Tod, er erhebt sich wie Phönix aus dem Grab und wird als König des Weltalls an der Seite Gottvaters in Ewigkeit herrschen.

Freitag, 29. November 2013

Noah

"Wie sich nun die Menschen auf Erden vermehrten, wuchs auch ihre Schlechtigkeit. Sie wurden immer mehr zu Kindern der irdischen Welt, herrschsüchtig, böse und taub gegen den Geist Gottes. Als der Herr das sah, reute es ihn, sie erschaffen zu haben und er beschloss, sie wieder von der Erde zu vertilgen und alle Lebewesen mit ihnen. Nur Noah fand Gnade vor seinen Augen, denn er war ein frommer Mann. Ihm sagte der Herr, dass er eine große, alles verschlingende Wasserflut über die Erde kommen lassen würde und nur ihn und die Seinen zu schonen gedenke. Er befahl ihm, eine Arche zu bauen und dort hinein seine Familie und von allen Tieren ein männliches und ein weibliches zu bringen. Es regnete vierzig Tage und vierzig Nächte hindurch, die Flut stieg bis auf die höchsten Berggipfel und ertränkte alles, was lebte. Nur Noah blieb übrig und was mit ihm in der rettenden Arche war." (Probst/Peterich). - Gott hatte einst Adam, wie auch die Engel, in den Süden des Himmels gestellt, an den Ort der Heiligkeit und Gerechtigkeit. Doch der Mensch betrat den Weg der Schuld und stürzte die Ordnung um. Er sagte sich von der Verbindung mit Gott los und vollbrachte jegliches Böse. Deshalb gingen Adams entwurzelte Nachkommen im Dunkel der Sünde unter. - "Als der Mensch ins Unheil fiel, ließ Gott nichts unversucht, ihn zu retten. Dieses Bemühen Gottes beginnt nicht erst mit der Menschwerdung Christi, sondern schon lange vorher in der Zeit des Alten Bundes. Zum ersten Mal nach dem Sündenfall offenbart Gott seinen Heilsplan in der Rettung Noahs. Die Gerechtigkeit richtigen Handelns reicht nach Adams Fall bis zum Jüngsten Tag. Sie ist mit vielen Wundertaten umsäumt, die Gott während der verschiedenen Zeiträume unaufhörlich an seinen Auserwählten wirkt." (H.Gosebrink) - Nach der Flut übergab Gott den Menschen die Verantwortung über die Erde. Er versprach Noah, es werde nie wieder eine Sintflut geben und setzte den Regenbogen als Zeichen dafür in die Wolken. In dieser Epoche warf der Neue Bund seinen ersten Schein voraus und erhellte die bisherige Düsternis. Mit Noah erstand das Bauwerk der Gottesfurcht, eine leuchtende Mauer, die über Abraham, Moses, die Propheten bis zum Täufer Johannes und zum Gottessohn führt. Sie verbindet Altes und Neues Testament. Doch neben diesem mauerbewehrten Weg des Lichtes läuft ebenso ununterbrochen die Straße der Sünde. Auf ihr schreitet das Laster des Todes von Irrtum zu Irrtum, denn der Teufel will sein Recht auf das Menschengeschlecht mit allen Mitteln behaupten.

Freitag, 22. November 2013

Die Verbannung

Ein Schleier des Vergessens umhüllte Adam und Eva in der ersten Zeit nach der Vertreibung aus dem Paradies. Sie wussten nichts mehr vom Anblick ihres Schöpfers und von dem vertrauten Umgang mit ihm. Ihre neue Umgebung zeigte sich rau, unwirtlich und voller Gefahren. In der Nacht fürchteten sie sich und froren vor Kälte. Da sie Hunger litten, mussten sie lernen, sich von den Gütern der Erde zu ernähren. Sie erfuhren die geschlechtliche Liebe, paarten sich und wurden zu Eltern. Ihre Kinder und Enkel zeugten viele Nachkommen. einige waren fleißíg, hilfsbereit und liebevoll, andere nichtsnutzig, träge, gehässig und schreckten vor Mord und Totschlag nicht zurück. - Nach dem Sündenfall ging ein Riss durch die Schöpfung. Die Tiere hatten ihre Zutraulichkeit verloren, sie flohen vor den Menschen oder bedrohten sie. "Da die Kooperation zwischen Mensch und Gott nicht mehr stimmte, geriet auch die Kooperation des Menschen mit der übrigen Schöpfung aus dem Gleichgewicht. Durch die Sünde war der Kosmos wie auch der Mensch verwüstet und vertrocknet. Die grünende Lebenskraft welkte durch den gottlosen Irrwahn der verblendeten Menschenseelen. Jedes andere Geschöpf strebt in dankbarer Erkenntnis zu dem hin, der es hervorgebracht hat, nur der Mensch ist ein Rebell. Er hat durch seine Sünde nicht nur die Elemente der Schöpfung beschädigt, sondern auch sich selbst tiefe Wunden zugefügt. Die grundsätzliche Verwundung, durch die der Mensch außerhalb des Paradieses krank wird, ist die Traurigkeit, die Melancholie. Von ihr befallen leidet der Mensch an umfassendem Sinnverlust und Hoffnungslosigkeit. Er vergisst, dass er mit einer besonderen Teilhabe an der göttlichen Erkenntnis ausgestattet ist." (H.Gosebrink). Das Hauptmerkmal des Himmels war Einklang im Zusammenspiel Gottes mit den Engeln. Die Abspaltung Luzifers geschah in einer grellen Dissonanz. Nach dem Engelssturz teilte sich der Kosmos in die ewige Harmonie des Himmels und die Disharmonie des Nichthimmels. Sowohl Luzifer wie später auch Adam verloren den Wohlklang ihrer Stimmen, mit denen sie einst am Gesang der Engel teilnehmen durften. Die natürliche Stimme des Teufels ist ein unmusikalisches Krächzen, doch ist es ihm möglich, Wohlklang vorzutäuschen. Auch kann er mit seiner Zauberkraft aus der Gestalt des Drachen schlüpfen und jede beliebige Figur vom Tier bis zum Engel annehmen. - Hatten die Menschen auch Gott aus ihrem Bewusstsein verdrängt, vergaß er doch nicht sie und suchte immer wieder das Gespräch mit ihnen. Die meisten verstopften die Ohren vor seiner Stimme, um sich nicht ihrer Verkehrtheiten schämen zu müssen. Doch in jeder Generation gab es Fromme, die sich danach sehnten, aus den Umschlingungen des Bösen befreit zu werden.

Freitag, 15. November 2013

Der Sündenfall

"Es ist von Anfang an zu erwarten, dass der Teufel neidisch auf den Menschen wird, wenn er entdeckt, dass nun der Mensch aus Erdenlehm Erbe des Glanzes Luzifers ist." (H.Gosebrink) Der einstige Engelsfürst Luzifer wusste, dass er Gott keinen größeren Schmerz zufügen kann, als wenn er den Menschen zu sich herüberzieht; auch hoffte er, dass seine Kampfkraft durch Mitstreiter aus dem Menschengeschlecht ins Gigantische wachsen würde. "Der Mann ist das Bild Gottes, die Frau ist das Bild des Mannes, sie ist nicht so nah an Gott wie der Mann." (H.Gosebrink). Eva war für Luzifer interessanter und angreifbarer als Adam. Er sah, dass Adam Eva so sehr liebte, dass er auf ihre Wünsche bereitwillig eingehen würde, deshalb stimmte er seine Verführung auf die weibliche Mentalität ab. - Bei Hildegard geschieht der Sündenfall auf eine spezielle Art. Gott bot dem Menschen eine weiße Blüte an, damit er sie pflücke und in sich aufnehme. Der Genuss dieser Blüte würde in ihm die wahre Erkenntnis von Gut und Böse erwecken, doch der Mensch lehnte das Geschenk ab. "Wie schon Luzifer die Kooperation verweigerte, weigert sich nun auch der Mensch, das, was Gott ihm als Auszeichnung und Aufgabe anbietet, anzunehmen und fällt dadurch in die Finsternis. Aus dem biblischen Baum der Erkenntnis, von dem der Mensch verbotenerweise isst, wird bei Hildegard eine Blume der Erkenntnis, die der Mensch zu essen sich weigert." (H.Gosebrink.) - Ein Denkmodell für die herkömmliche Schilderung des Sündenfalls könnte darin bestehen, die Bäume des Paradieses den Tugenden der Engels-Chöre zuzuordnen. Der Genuss ihrer Früchte war den Menschen nicht nur erlaubt, sondern sogar empfohlen. Den entarteten Baum Luzifers ließ Gott unangetastet, doch verbot er Adam und Eva, davon zu essen. Das Giftig-Berauschend-Dämonische dieser Äpfel bestand darin, eine luziferische Erkenntnis zu schenken, ein seichtes, oberflächliches Wissen von den Naturgesetzen ohne Bezug zu einem göttlichen Schöpfer. Außerdem schwätzte Luzifer Eva eine gefährliche Definition von Gut und Böse auf. Demnach ist für den Menschen nur die absolute Freiheit gut und erstrebenswert, böse aber jede Einengung und Zügelung seiner Selbstbestimmung. Auch ist es für ihn wichtig, bei allen Entscheidungen nicht nur Einschränkungen zu erfahren, sondern vor allem weiterführende kluge Ratschläge. Zu dieser Wegweisung bot sich der Teufel bereitwillig an. Eva war von dieser Logik fasziniert und überzeugte Adam, dass es für ihren Fortschritt lebensnotwendig war, eine Arbeitsverpflichtung abzuwälzen und sich über die Bevormundung durch ein sinnloses Verbot Gottes hinwegzusetzen. - Nach dieser entscheidenden Wahl war für die beiden Menschen kein Platz mehr im Himmel. Sie hatten leichterringbaren Intellekt der Weisheit, respektloses Aufbegehren dem Gehorsam, Hochmut der Demut und Satanshörigkeit dem Dienst an Gott vorgezogen.

Freitag, 8. November 2013

Luzifer

Tragik umwittert das Schicksal der Engel. Gott schuf zehn Chöre. Luzifer war der Anführer des ersten Chores, der prächtigste Edelstein der Schöpfung, ein mächtiger Stern von lichtem Glanz und strahlender Schönheit. Dieser Engelsfürst spiegelte am reinsten die göttliche Lichtquelle. Mit der Erschaffung aller zehn Chöre offenbarten sich die göttlichen Werke und Licht erstrahlte in den drei Himmelsrichtungen Osten, Süden und Westen. Nur im Norden herrschte noch Dunkelheit, hierhin sollte Luzifer mit seinem Gefolge die göttliche Helligkeit tragen. Doch Luzifer sonderte sich von der göttlichen Liebe ab und verweigerte dem Herrn den Dienst. Er wusste von Gottes Plan, den Menschen zu erschaffen und ihn dem Schutz und Dienst der Engel anzuvertrauen. Neid und Eifersucht erfüllten ihn. Er sah sich aus der Rolle des Favoriten verdrängt und zu Handlangerdiensten für den aus Lehm geformten Rivalen verurteilt. Auch wollte er nicht nur Lichtträger, sondern selbst die Lichtfülle sein und vergaß dabei, dass sein eigener Glanz nur die göttliche Sonne widerspiegelte. Die Flamme eitler Selbstüberhebung loderte in ihm auf, er strebte danach, aus eigener Kraft schöpferisch zu wirken und sich zum Obergott aufzuschwingen. Sein Anhang stimmte ihm jubelnd zu und beschloss, das Dunkel des Nordens mit Licht zu erfüllen und dort Luzifers Thron zu errichten. Doch in dem Augenblick, in dem sie sich von Gott abwandten, erlosch der herrliche Engelsglanz und wurde schwarz wie Kohle. In Luzifer erstarb das blitzende Licht, mit dem ihn Gottes Macht bekleidet hatte. Durch seinen treulosen Verrat zerstörte er in sich die Schönheit des Erzengels und streckte sich gierig nach der satanischen Bosheit aus. Für die Deserteure des göttlichen Dienstes war nun kein Ort mehr im ewigen Sternenkranz. Die Windsbraut der himmlischen Allmacht brauste in gewaltigem Rauschen auf und stürzte die Rebellen durch Michael wie Bleiklumpen in die Bitterkeit schwarzen Verderbens. Alles weitere erfolgte mit unerbittlicher Konsequenz. Der lichtlose Norden, die Hölle, wurde nun ihr Reich und die Brutstätte ihrer Macht. Luzifer pervertierte zu Satan, edelste Schönheit zur abstoßenden Hässlichkeit des Drachen, Himmelslicht zu Flammen der Vernichtungswut, heilige Weisheit zu gaunerhafter Schlauheit, göttliche Liebe zu teuflischem Hass. Doch der herrliche Glanz kehrte bei seinem Erlöschen in den gefallenen Engeln sofort zu Gott zurück. Der Herr barg dieses strahlende Lichtkleid und bewahrte es für den Lehm, den er zum Menschen bilden wollte. Seitdem führt Luzifer einen erbitterten und heimtückischen Kampf gegen den Schöpfer. Bis zum Jüngsten Tag wird diese Auseinandersetzung dauern. Erst wenn Christus am Ende der Zeiten als Richter wiederkommt, erfasst Satan im Verzweiflungsschmerz völliger Niederlage das Hoffnungslose seines Aufbegehrens gegen Gott, Engel, Menschen und seine unwiderrufliche Verdammung.

Freitag, 1. November 2013

Throne, Cherubim, Seraphim

Auch die "Throne" besitzen keine äußerliche Menschenähnlichkeit. Als Friedensfürsten wecken sie in den Menschen die Bereitschaft, sich mit verfeindeten Brüdern zu versöhnen, blindem Hass zu entsagen, die Schwerter in Pflugscharen umzuschmieden und auf fanatische Rechthaberei zu verzichten. Ihr Streben zielt nach dem harmonischen Zusammenleben von Männern und Frauen verschiedener Nationalität und Hautfarbe. Sie künden von Maria, der geistigen Morgenröte, dem Sitz der Weisheit, der Mittlerin und Versöhnerin. Die Existenz der "Throne"weist darauf hin, dass sich der Gottessohn einst aus der seligen Jungfrau einen menschlichen Leib anziehen wird, unbefleckt von aller Schuld. - Die "Cherubim" schauen in Gottes Anblick die Ordnung der himmlischen Geheimnisse. Hildegard sieht sie als vielflügelige Lichtgeister, übersät von einer Unzahl Augen. In der Tiefe ihres Wissens erkennen sie in ihrem omnipräsenten Schauen diejenigen Menschen, die in der Sehnsucht nach Erkenntnis der Wahrheit mit allen Kräften nach dem Schöpfer aller Dinge suchen. Ihr unermüdlicher Flügelschlag deutet hin auf die weltweite Ausbreitung von Gottes Segen und Spiritualität. Sie verscheuchen in den Gläubigen die Finsternis der Seelen, die Traurigkeit der Herzen, die Schwermut der Verlassenheit. - Die "Seraphim" bilden den innersten, innigsten Kreis. Hildegard sieht sie in einem flutenden, feurigen Licht als Millionen von Flügeln. Voll flammender Liebe ist ihr ganzes Begehren auf die Anschauung Gottes und das Entzünden der Begeisterung in den Herzen der Menschen gerichtet. Als Gipfel der geistigen Rangordnung spiegeln sie die himmlische Hierarchie, die das Vorbild für die irdische Priesterschaft bildet. Am Beispiel ihrer lauteren Reinheit sollte das Sinnen und Trachten aller Würdenträger der Kirche erblühen. Deshalb muss mitreißende Überzeugungskraft die hervorstechendste Eigenschaft der religiösen Führer sein, nicht Gleichgültigkeit, mutloses Duckmäusertum, leere Betriebsamkeit, Anpassung an den Weltgeist, Toleranzsucht und hochmütiges Abgehobensein der Gelehrten vom einfachen Volk.

Samstag, 26. Oktober 2013

Mächte, Fürstentümer, Herrschaften

Nichts Menschliches spiegelt sich im Leuchten der Antlitze und im hellen Schwingen der "Mächte". Sie deuten an, dass die Schönheit der göttlichen Macht von den sündenbefangenen Sterblichen nicht begriffen, sondern nur iin demütigem Schweigen verehrt werden kann. Sie schenken den Menschen Entschlossenheit, sich Gefahren zu erwehren und verteidigen ihre Existenz gegen die allgegenwärtige dämonische Bedrohung. Doch Engelsmächte sind nie Automatismen, die auf Knopfdruck reagieren, wie es der Mensch von seinen Apparaten gewohnt ist. Sie sind Persönlichkeiten, die nur dann in Beziehung zum Diesseits treten können, wenn ihre Zuwendungsbereitschaft erkannt und geschätzt wird. - Die "Fürstentümer" leuchten wie weißer Marmor. Sie tragen Menschenhäupter, aus denen Feuer flammt. Von der Schulter abwärts umhüllt eine silberfarbene Wolke ihre Gestalt. Sie sind die Vorbilder derjenigen, die über die Menschen herrschen, Kaiser, Könige, Fürsten, Präsidenten, Kanzler und Minister. Diese Regenten erfüllen ihre Aufgaben nur dann in rechter Weise, wenn sie nicht der Selbstüberhebung, Unzuverlässigkeit und Profitgier verfallen. Ihr Haupt ist Christus und sie haben die Pflicht, nach seinem demütigen Vorbild ihre Regierungsgeschäfte zum Nutzen der Menschen zu führen. Sie können nur dann fest und beständig in der Kraft der weisen Urteilsfähigkeit herrschen, wenn sie den Inspirationen des Heiligen Geistes gehorchen, der sie zu glühendem Eifer für die Wahrheit entfacht. Diese fürstlichen Lichtgeister repräsentieren die ethisch-fundamentalen Prinzipien aller gesellschaftlichen Ordnungen. Staaten, die sich in gleichgültiger Missachtung darüber hinwegsetzen, geraten in Verfall. Verschwendungssucht, Inflation,Teuerung. Überschuldung, Mafiastrukturen und Anarchie sind die unausweichlichen Folgen. - Die "Herrschaften" sind Lichtgestalten mit Menschenantlitzen und Menschenfüßen. Sie tragen Helme und sind umwallt von einer marmorfarbenen Tunika. Durch sie zeigt Gott der unheilbedrohten Menschheit, dass er ihr durch die Sendung seines Sohnes zu Hilfe eilt. Wenn sie die rettende Hand ergreift und Christi Botschaft in die Tat umsetzt, kann die Vernunft auf Menschenfüßen einherschreiten und sich zu ihrer ursprünglichen Größe erheben. Die "Herrschaften" sind Lehrer, die auf einen Weg geleiten, der die gefallene Menschheit aus der Tiefe der Tierähnlichkeit in die Höhe der wahren Humanität emporführt. Ihr Symbol ist das Ohr, das Organ des Hörens, Vernehmens und Befolgens.

Samstag, 19. Oktober 2013

Engel, Erzengel, Kräfte

Die "Engel" sind der unterste der neun Engels-Chöre. Hildegard sieht sie in einem blitzenden, strahlenden Kreis. Ihre menschlichen Antlitze zeigen leuchtende Offenbarungen geistiger Schönheit. Sie sind beflügelt, ihr Verlangen drängt sie flugschnell zur Durchführung ihrer Aufträge. Sie achten sorgsam auf die Erfüllung des göttlichen Willens und bringen alle menschlichen Werke vor Gott. Die Aufgaben dieser Begleiter sind Wachsamkeit und Schutz. Jedem Menschen ist von Geburt an ein Engel zugewiesen. Er steht ihm lebenslang als wachsamer und beschützender Weggefährte zur Seite, verhilft seiner Seele am Ende des Lebens zur Ablösung vom Leib, führt sie vor das Antlitz Gottes und geleitet sie sogar in den Himmel oder ins Fegefeuer, am Höllentor würde unwiderruflich sein Auftrag enden. - An den lichten Kreis der "Engel" schmiegt sich in einer höherstehenden Ordnung der Chor der "Erzengel" an. Auch sie sind geflügelte Lichtgeister mit menschlichen Gesichtern, in ihren Antlitzen spiegelt sich das Bild Christi. Sie sind völlig auf das Erkennen des Willens Gottes ausgerichtet, weisen hin auf die Schönheit des heiligen Geistes und verherrlichen den göttlichen Logos, denn sie schauen seinen verborgenen Ratschluss, durch Jesus Christus in die weltliche Sichtbarkeit zu treten. "Erzengel" sind Verkünder der Inkarnation und dürfen der Menschwerdung des Gottessohnes den Weg bereiten. Die christliche Tradition verehrt die drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Michael verteidigt mit menschlicher Hilfe die Welt gegen das Böse, Gabriel überbringt Maria die göttliche Botschaft, er stärkt Christus nach der Begegnung mit Satan in der Wüste und tröstet ihn vor dem Erdulden der Passion, Raphael fungiert als Heilungsengel, als göttlicher Arzt und göttliche Arznei. - Auch die "Kräfte" sind Lichtgeister mit einem Menschenantlitz. In ihrem Sein spiegeln sie die Werke der Auserwählten und führen sie zu einem guten Ende. Sie verleihen den Menschen Mut und fordern von ihnen ein klares Ja oder Nein. Die Entscheidungsschlacht, die jedes Menschenleben bedeutet, kann nur aus Bekenntnis zu Gott oder Ablehnung seiner Gesetze bestehen. Die "Kräfte" vergegenwärtigen Tag für Tag ihrem Schöpfer das dramatische Ringen mit den dämonischen Mächten, das sich im Innerseelischen der Menschen abspielt. Es geht immer um die Fragen : "Gibt es Gott und damit eine Verantwortlichkeit vor seinen Geboten? Hat Gott den Menschen zur Freiheit erschaffen, steht er ihm trotz seiner Verfehlungen treu zur Seite und will er ihm Schuld und Sünde verzeihen?" Dazu ist Grundvoraussetzung die Abkehr von allen Verirrungen. Die Kampfengel stehen an dieser Wegkreuzung von Wahrheit und Trug. Sie können raten, aber nicht dem Menschen die Entscheidung abnehmen.

Samstag, 12. Oktober 2013

Das Wesen der Engel

"Die Engel sind mit Verstand und freiem Willen ausgestattete Geistwesen, die Gott am Anfang der Zeit zu seinem Dienst und zur Hilfe der Menschen aus dem Nichts erschuf. Die Kirchenlehrer sprechen von drei Engelshierarchien, jede Hierarchie ist in drei Chöre mit unterschiedlichen Aufgaben unterteilt. Die Engel besitzen Geistesschärfe, natürliche und übernatürliche Erkenntnis, denn sie schauen immerfort das Antlitz Gottes. Trotz ihres umfassenden und durchdringenden Wissens sind sie nicht allwissend. Sie sind den Menschen durch ihre reine Geistnatur weit überlegen, doch in Erfüllung des göttlichen Auftrags sind sie immer bereit, sie zu erleuchten, ihnen zu helfen und zu dienen, wenn sie darum gebeten werden. Gott hat den Engeln eine Reihe von Aufgaben anvertraut : sie wenden von ihren Schützlingen Gefahren und Übel des Leibes ab, sie verwehren den bösen Geistern, ihnen Schaden zuzufügen, sie flößen gute Gedanken und Anregungen ein, sie bringen ihre Gebete vor Gott und beten für sie. Jedoch geschieht alles unter der Voraussetzung des freien menschlichen Willens, überirdische Hilfe und Inspiration anzunehmen, das Böse zu erkennen und abzulehnen, sich regelmäßig im lobpreisenden, bittenden und fürbittenden Gebet an Gott zu wenden. Die Tragik der Engel liegt darin, dass die meisten Menschen sie nur als romantische Fabelwesen und nicht als reale Mächte wahrnehmen, zu denen durch eine verehrungsvolle Gebetskultur ein Freundschaftsverhältnis aufgebaut werden kann." (F.Holböck) - "Im Anfang der Welt schuf Gott den Himmel als Raum der Engel und des Lichtes. Diese Urwelt ist das Bild göttlicher Ordnung, ein leuchtendes Feuer. Mit dem Wort "Es werde Licht" erschuf Gott die Engel als jene besondere Strahlkraft. Das weitere Sechstagewerk erlebten die Engel als begnadete Mitwisser, als Zeugen und Eingeweihte der Weltwerdung des göttlichen Willens. Sie haben den gewaltigen Kraftakt der Schöpfung in der Weise miterlebt, dass Gott ihrem Gedächtnis alles Geschaffene für alle Zeit eingeprägt hat. Gott wollte sich des vollbrachten Werkes nicht allein erfreuen, er teilte Zufriedenheit und Wohlgefallen mit den Erstgeborenen und Lichterfüllten. Der Engel hat das innigste Verhältnis zur Schöpfung, er sieht sie in ihrer Gesamtheit, er besitzt in sich die Essenz der Welt. Engel sind Urmächte des Kosmos, ihr Wesen ist Lobpreis. Gott hat über jedes Ding im All einen Engel gesetzt und wirkt über diese Geister mitten in der Welt. Wie die Sonne nicht ohne Licht denkbar ist, so auch die Gottheit nicht ohne die vor Begeisterung flammende Engelsverehrung. Engel sind für uns Menschen nicht Geschöpfe einer entrückten Jenseitigkeit, sondern einer Welt, die uns beansprucht und herausfordert, wir dürfen als Leib- und Seelewesen am Leben der Engel teilnehmen. Die menschliche Haltung ihnen gegenüber ist Hochachtung und Dankbarkeit, keinesfalls Anbetung, denn die gebührt Gott allein. Auch ist es den Menschen nicht erlaubt, durch beschwörende Rituale den Versuch zu unternehmen, ihre Hilfe zu erzwingen.Trotz ihrer eminenten Bedeutung sind diese neun Engels-Chöre nicht Ziel und Mittelpunkt der Schöpfung. Natur und Geschichte der Welt waren im Heilsplan Gottes von vornherein auf den Menschen angelegt" (H.Schipperges).

Samstag, 5. Oktober 2013

Hildegards Frauenbild

Für Hildegard ergeben sich alle menschlichen Konstellationen aus der Schöpfungsgeschichte. Das erklärt auch die Unterschiede, die sich ergänzenden Veranlagungen und das Aufeinander-Angewiesensein von Mann und Frau. Den Mann hat Gott aus Lehm geformt und ihm eine Seele eingehaucht. Die Frau stammt vom Fleisch des Mannes, das hat weitreichende Folgen. Der aus Erde geschaffene Mann bedarf noch der Umwandlung in einen lebendigen Menschen aus Fleisch und Blut durch die Seele. Die Frau aus dem Fleisch des Mannes ist von Anfang an Leib und Seele. Dennoch ist sie nicht nur der in eine schöne Form gebrachte Anteil der männlichen Grundsubstanz. Hildegard denkt schon an die Menschwerdung des Gottessohnes durch eine Frau und räumt ihr von daher einen hohen Rang ein. Sie bezeichnet sie im Hinblick auf die Zukunft als "Haus der Weisheit", in dem Irdisches und Himmlisches zur Verwirklichung kommt. Unter dem "Irdischen" versteht Hildegard die Verwandtschaft des menschlichen Leibes mit der Erde, unter dem "Himmlischen" die Verwandtschaft der Seele mit dem Himmel. "Weisheit" bedeutet "Christus", der in Mariens Schoß die volle Menschheit aus Leib und Seele annimmt. - Gott gab Adam eine Hilfe in Gestalt der Eva. In ihr war schon das ganze Menschengeschlecht verborgen, das in der Schöpferkraft Gottes einst hervorgebracht werden sollte. Mann und Frau sind eng miteinander verbunden, nur in dieser Einheit ist der Mensch Gott ebenbildlich. Eva wurde aus Adam geschaffen. da aber Eva die Mutter des ganzen Menschengeschlechtes ist und jeder Mann aus einer Mutter hervorgeht, stammt wiederum der Mann aus der Frau. Beide Teile haben ihre wichtigen, genau begrenzten Aufgaben. Wenn dem Mann eine Dominanz zukommt, dann ist sie mit den großen Verpflichtungen verbunden, der Frau treu zu bleiben, sie und ihre Kinder zu ernähren, zu beschützen und zu leiten. Mann und Frau sind aber auch Gegensätze der Wirkungsrichtung und Realitätsbeurteilung, doch nur aus ihrer Vereinigung kann neues Leben entstehen. Sowohl für den Mann wie auch die Frau bedeutet es Mut, das völlig Andere zu akzeptieren, sich ihm anzupassen und alle Eventualitäten der Verschiedenheit zu ertragen. Wie Gott für immer seiner Schöpfung treu bleibt, erwartet er auch von seinem Ebenbild Treue, und zwar eheliche Treue sowohl zwischen Mann und Frau wie auch zwischen Mensch und Gott.

Montag, 30. September 2013

Der Mensch

Gott formte den Menschen aus Ackererde und hauchte ihm seinen Geist ein. Das unterscheidet Adam von Engeln und Tieren. Sein Körper hat einen ähnlichen Bauplan wie das Tier, doch die Einhauchung des göttlichen Geistes schenkt ihm göttliche Abbildlichkeit, er besitzt außer dem Leib eine Seele. Andererseits unterscheidet ihn der Besitz des Leibes von den körperlosen, rein geistigen Engeln. Der Mensch ist ein Teil der Welt, sie ernährt ihn, er ist ihren Gesetzen unterworfen. Über der Welt steht er jedoch durch seine Seele, sie ist himmlischen Ursprungs und kann nach dem Sterben des Leibes in den Himmel heimkehren. Sein ganzes Leben besteht aus der immerwährenden Auseinandersetzung, aus der Zusammenarbeit aber auch einem spannungsgeladenen Gegeneinander von Leib und Seele. - Gott hat dem Menschen von Anfang an große Aufgaben anvertraut. Er erhielt Vollmacht über alle Tiere und den Auftrag, sie zu benennen. Der Name eines Lebewesens stellt ein Charakteristikum dar und verleiht demjenigen Macht, der den Namen kennt und ihn beschwörend ausspricht. Gott will nicht Alleinherrscher sein, er erteilt Engeln und Menschen den Auftrag, im Blick auf seinen Endplan in freiwilligem Gehorsam über ein anvertrautes Gebiet zu bestimmen. - Die Beseelung des Menschen beschreibt Hildegard als ein Licht, das vom Himmel kommt und sein Herz, das Organ der Emotionen, und sein Gehirn, das Organ des Intellekts, erfasst. Mit der Seele bindet Gott im Menschen den Glanz der Engel an den Leib aus Erdenlehm. - Von den Elementen gehalten nimmt der Mensch seinen Platz im Kosmos ein. Die vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde sorgen als weltliches und geistiges Beziehungsgeflecht dafür, dass der Mensch im Verhältnis zum Schöpfer nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Die Elemente symbolisieren neben ihren materiellen auch ethische Aspekte, die Reue über Verfehlungen, das Vollbringen heiliger Werke, die Tugend der Unterscheidungskraft und das Akzeptieren einer gerechten Strafe zur Schuldbüßung. Mit seinem Handeln in der Welt ist dem Menschen ein erreichbares Ziel gesetzt, die Möglichkeiten seiner Gottesebenbildlichkeit zu verwirklichen. Von allen Lebewesen hat nur er eine bevorzugte Art von Geistigkeit, mit der er sowohl durch vernunftgelenkte Arbeit in der Welt wirken wie auch durch seine Seelenkräfte zur Gottesschau gelangen kann. Der Mensch steht erhobenen Hauptes und mit in Kreuzesform ausgespannten Armen im Zentrum des Weltenrades. Er lebt inmitten des Kosmos, den die Hände Gottes umfassen. Er ist der Mikrokosmos im Makrokosmos, jede Einzelheit seines Körpers hat ihre Entsprechung im Gesamtaufbau und Zusammenspiel des Weltalls.

Montag, 23. September 2013

Die Schöpfung

"Hildegard kann sich die Erschaffung der Welt weder ohne den Schöpfer, noch ohne den Menschen und schon gar nicht ohne Christus, das menschgewordene Schöpfungswort denken" (H.Gosebrink). - Gott tritt in der Schöpfung aus sich heraus, er äußert sich in der Materie und in der Zeit, die aus seiner Ewigkeit strömt. Diese göttliche Weltenzeit ist dazu bestimmt, Heilszeit zu werden, die Geschichte Gottes mit seiner Schöpfung und vor allem mit dem Menschen. - In sieben Schritten erschafft Gott die Welt, Himmel und Erde, Tag und Nacht, Meere und Land, die Gestirne, Kriechtiere und Flugtiere, Nutzvieh und wilde Tiere und am siebten Tag den Menschen als Mann und Frau. Die Schöpfung ist für die Ewigkeit angelegt. Das schließt jedoch einen Weltuntergang nicht aus, doch wird er nicht nur eine Vernichtung bedeuten, sondern eine Wandlung von der irdischen in die jenseitige Körperlichkeit. Diese Zerstörung offenbart die menschlichen Werke als gut oder böse, demütig oder vermessen, gottzugewandt oder dämonisch und richtet sie danach. In dieser langen Zeitspanne zwischen dem Erwachen der Vernunft und dem Jüngsten Tag kann sich die Menschheit für oder gegen den richtigen Weg entscheiden. - Hildegard gibt den sieben Schöpfungstagen einen weiterführenden, symbolischen Sinn. Wenn Gott am ersten Tag die Wasser scheidet, sieht sie darin einen Hinweis auf den höchsten Grundsatz aller Tugenden, die Unterscheidungsgabe. Die Entstehung der Erde bringt sie in Zusammenhang mit der Demut, denn der Mensch ist durch seinen Leib aus Erdenlehm mit der Erde verwandt. Sonne und Mond sind für sie Hinweise auf die Gottes- und Nächstenliebe. Kriech- und Flugtiere verbindet sie mit Weltverachtung. In der Erschaffung des Mannes sieht sie einen Hinweis auf die Gerechtigkeit, in der Erschaffung der Frau auf die Barmherzigkeit. Der siebte Tag steht im Zeichen des Gottessohnes, dem der Mensch angehört und in dessen Nachfolge ihm alle himmlischen Freuden offenstehen. - Hildegard setzt die verschiedenen Stadien der Schöpfung auch in Verbindung mit der Gestaltung der Kirche, die in ihren Visionen einen wesentlichen Platz einnimmt. Wie Gott zwischen Licht und Finsternis scheidet, so auch zwischen Glauben und Unglauben. Die Fruchtbarkeit der Erde ist das Symbol der Kirche, in der sich die Gläubigen im Grad der Verbreitung des christlichen Glaubens zusammenfinden. Sonne, Mond und Sterne sind die geistlichen und weltlichen Lehrer, die Verstand und Gottessuche des Menschen erleuchten. Auch Mann und Frau dienen dem Aufbau der Kirche. Der Mann sorgt auf allen Gebieten für die Verwirklichung der himmlischen Tugenden, die Frau symbolisiert die mütterliche Sorge für die weltlichen Belange. Hildegards Wertschätzung des kontemplativen Lebens zeigt sich darin, dass sie die Realisierung der "männlichen Lebensform" den Mönchen und Jungfrauen, die der "weiblichen" den verheirateten Männern und Frauen zuweist.

Dienstag, 17. September 2013

Gott

Gott tritt mit der Schöpfung der Welt aus seiner Ewigkeit heraus und gestaltet Zeit und Geschichte. Diesem Anfang der Welt geht eine Vielzahl innergöttlicher Entscheidungen voraus, vor der Zeit liegt Gottes ewiger Ratschluss, sich in der Zeit mitzuteilen. (H.Gosebrink) - Gottes Haupteigenschaft ist Wirken, Werkzeug seines Wirkens ist das Wort. Dieses Wort ist Befehl, Anordnung und Gestaltungskraft. Gott will Welt, er will Sternenfülle des Weltalls, Blühen, Gedeihen und Vermehren, Helfer und Gefährten, ein Gegenüber, einen Freund und Partner, er will den Menschen. Gott ist Freiheit, nichts engt seine Allmacht ein. Er schenkt aber auch Freiheit, er will Mitarbeiter, keine Sklaven. Gott ist Gerechtigkeit, er erlässt strikte Gebote zum Nutzen der Engel und Menschen, fordert Gehorsam und Treue, duldet keine fremden Götter neben sich, denn das wären hirnlose Götzen auf tönernen Füßen. Gott ist Licht, Erleuchtung, Erhellung der Nacht. Er ist aber auch der völlig Andere, der Unbegreifliche, der Verborgene hinter allem Offensichtlichen, den keine Vorstellungskraft je völlig fassen kann. Doch ist er dem Menschen nicht fremd und fern, er hat seit Adam und Eva immer wieder mit ihm gesprochen und sich ihm geoffenbart. - Die Menschen erdichten sich mit blühender Phantasie gern ihren eigenen Himmel und bevölkern ihn mit einer Vielzahl von Göttern, die sie bewundern oder fürchten : Repräsentanten der Macht, des Kampfes, der Liebe, der Fruchtbarkeit, der Jagd, des Zornes und des Todes. Sie sind ein Spiegel des öffentlichen Lebens und zeigen alle Eigenschaften der gefallenen menschlichen Natur, Despotismus, Wortbruch, Ehebruch, Diebstahl, Mord, Grausamkeit und Zerstörungswut. - Mit Vorliebe aber ignoriert der Mensch völlig die Existenz Gottes. Gottesglaube bedeutet Verpflichtung gegenüber einer höchsten Autorität, das Akzeptieren moralischer Gesetze, die berechtigte Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod, die Rechtfertigung aller irdischen Entscheidungen vor einer transzendenten Instanz. Mit der Leugnung Gottes schüttelt der Mensch alle jenseitigen Optionen von sich ab, er beraubt sich aber auch der Quintessenz seines diesseitigen Daseins. Der Superlativ der Gottlosigkeit ist die Erhebung der eigenen Person zur Gottheit. Das sieht dann so aus: "Ich bin mein eigener Herr und Gesetzgeber. Ich gehorche niemand, ich schulde niemand Dank und nehme auf niemand Rücksicht. Ich fordere von aller Welt Respekt, alle sollen meine Schönheit, Klugheit, meine Titel, meinen Besitz und die Vortrefflichkeit meiner Werke bewundern."

Dienstag, 10. September 2013

Die Hierarchie der Katharer

Die Kirche der Katharer bestand aus dem überschaubaren Kreis der "Vollkommenen" (Perfecti), einer größeren Gruppe von "Eingeweihten" (Illuminati), dem Hauptanteil an "Gläubigen"(Credentes) und unzähligen "Sympathisanten". Höchstes Ziel aller Mitglieder war, in die Elite der "Vollkommenen" aufgenommen zu werden, obgleich dies Ehelosigkeit, sexuelle Abstinenz und fleischlose Kost bedeutete. Verging sich ein "Vollkommener" gegen diese Gebote, verlor er die Gnade der Geisttaufe; auch alle Geisttaufen, die er selbst gespendet hatte, waren hinfällig. Die "Vollkommenen" mussten ihren Besitz der Kirche überschreiben und waren zur Handarbeit verpflichtet. Es war ihnen verboten, Tierfleisch, tierisches Fett und Milchprodukte zu essen, zu fluchen und zu verfluchen. Der Grund für den Vegetarismus lag in der Überzeugung, in den Tierkörpern seien die Seelen Verstorbener eingesperrt, die durch das Verzehren ermordet würden. Auch das Trinken von Alkohol war verboten, man nahm an, dass an der Vergärung pflanzlicher Substanzen Seelen Verstorbener beteiligt wären, denen das Genießen alkoholischer Getränke Schaden zufüge.- Die katharische Bewegung war straff in Diözesen unter Bischöfen organisiert, die Pfarrseelsorge lag in den Händen von Diakonen, die wie die Bischöfe geistgetauft waren. Gottesdienste wurden in der Landessprache abgehalten, die Diakone waren für ihre Missionierungsverpflichtung in Rhetorik gründlich geschult. Als wichtigste Ansprechpartner der Gemeindemitglieder hatten sie sich um Sünder zu kümmern und durften ihnen die Absolution erteilen. Es gab auch eine Art Kommunion, es wurde jedoch nur geweihtes, nicht in den Leib Christi verwandeltes Brot gereicht. Ein makabrer Brauch war der freiwillige Hungertod. Wer unmittelbar nach der Geisttaufe unbedingt in den Zustand vollkommener Reinheit und der Himmelswürdigkeit gelangen wollte, nahm von diesem Zeitpunkt an keine Speise mehr zu sich, er hungerte sich buchstäblich zu Tode. In Zeiten der zahlreichen Verfolgungen war dies auch eine bevorzugte Selbstmordmethode. - Eine Stufe unter den "Vollkommenen" standen die "Eingeweihten", die Anwärter der Geisttaufe. Waren sie getauft, konnten sie nach einem langen Zeitraum moralischer Bewährung in den vollkommenen Stand eines "Guten Menschen" erhoben werden. Nach der Taufe war es ihnen auch erlaubt, das Vaterunser zu beten, allerdings in katharischer Formulierung. - Die "Gläubigen" bildeten die größte Gruppe. Sie waren Mitläufer, erwiesen den Vollmitgliedern Respekt, versorgten sie in Notzeiten mit Lebensmitteln und versteckten sie bei Verfolgungen, doch galten für sie nicht die strengen Vorschriften des Lebenswandels und der Ernährung. Wenn sie für ihre Treue am Ende des Lebens einen Dank erwarteten, konnten sie auf Wunsch durch die Geisttaufe ohne Wartezeit in den Stand der Vollkommenheit erhoben werden. Das bedeutete aber zugleich den Hungertod. - Die unterste Stufe bildeten die "Sympathisanten". Sie waren weder Moralvorschriften noch der Verpflichtung zu sozialen Aufgaben unterworfen. Aber sie standen der Kirche ideell nahe und unterstützten sie in Gefahr.

Mittwoch, 4. September 2013

Die Katharer

Es lässt sich kein schrofferer Gegensatz denken als zwischen der Theologie der Hildegard von Bingen und dem Katharismus. Dieser kam aus dem Süden Frankreichs und verbreitete sich vom 12. bis 14.Jahrhundert rasch ins Gebiet der heutigen Länder Italien, Spanien, Österreich, Skandinavien und Deutschland. Die Katharer bezeichneten sich selbst als "wahre Christen" und "gute Menschen°und betrachteten die materielle Welt als Werk eines bösen Gottes. Das Gute findet sich nur bei einem guten Gott im Himmel, zu ihm muss der Mensch aus der Umklammerung des Bösen geführt werden. Dies geschieht durch die Geisttaufe, doch selbst die kann vergeblich sein, denn eine Aufnahme ins Reich Gottes ist für jeden Menschen weitgehend vorherbestimmt. Um trotzdem zu versuchen, die Seelen aus dem irdischen Sumpf zu retten, befahl die Sekte einen entsagungsreichen Übungsweg. - Die Katharer sahen in Jahwe den Schöpfer der bösen Welt und lehnten daher das Alte Testament ab, vom Neuen Testament spielte das Johannes-Evangelium in sehr eigenwilliger Auslegung eine herausragende Rolle. Armut, Demut und Enthaltsamkeit wurden für den Weg zur Vollkommenheit vorausgesetzt, doch Sündenvergebung und Erlösung waren von der Mitgliedschaft in der katharischen Kirche abhängig. Durch einen feierlichen Akt der Geisttaufe wurden neue Mitglieder durch Bischof oder Gemeindeältesten aufgenommen. Nach dem Sündenbekenntnis vor der ganzen Gemeinde und der Vergebung durch den Bischof legte man dem Novizen das Johannes-Evangelium auf den Kopf, dann breiteten alle Getauften ihre Hände über ihn und übertrugen ihm den Geist der Erkenntnis. - Die Erlaubnis zum Priesteramt für Frauen konnte nicht über die allgemeine Frauenfeindlichkeit hinwegtäuschen. Das hing mit dem Sündenfall zusammen, durch den die Sexualität in die Stammeltern eingedrungen war. Nur dem Adam hauchte Gott bei seiner Erschaffung eine Seele ein, Eva, die vom Fleisch des Adams Genommene, bekam einen Anteil seiner männlichen Seele. Wegen der Hauptschuld Evas beim Sündenfall wurde ihre Seele entstellt. Schwangere Frauen taufte man nicht, denn sie trugen einen Dämon im Leib, die Fortpflanzung galt als Teufelswerk. Nach dem Tod einer Frau musste sich die entstellte Seele mühsam durch die Vergegenwärtigung ihres männlichen Ursprungs zurückverwandeln, Da der Paradieseszustand des Menschen frei von Sexualität war, bestand die irdische Lebensaufgabe darin, diesen vollkommenen Zustand durch Askese wieder zu erreichen. - Trotz seiner Strenge, Leib- und Frauenfeindlichkeit und des dualistischen Gottesbildes breitete sich der Katharismus lawinenartig aus und bildete bewusst eine Gegenkirche zur römischen Kirche.

Mittwoch, 28. August 2013

Die Kirchenlehrerin Hildegard

Die Ernennung Hildegards 2012 zur Kirchenlehrerin durch den damaligen Papst Benedikt XVI. war eine mutige Tat. Rom beurteilt sonst Privatoffenbarungen eher skeptisch. Zudem war Hildegard eine Kirchenkritikerin, in ihren Antwortschreiben an Päpste, Bischöfe und Äbte nahm sie sich kein Blatt vor den Mund und prangerte schonungslos geistige Gleichgültigkeit, Unwissen und Sittenlosigkeit an. Auch könnte man sich fragen, was die moderne Gesellschaft mit der mittelalterlichen Theologie einer visionären Nonne anfangen soll. Das Abendland verabschiedet sich seit Jahrzehnten schrittweise vom Christentum und steht heute im Zeitalter der Egomanie und der Eliminierung des Wunderbaren aus Kultur und Religion. Selbst die christlichen Kirchen bezweifeln die konkrete Existenz des Satanischen und schieben den Engelsglauben in die tiefenpsychologische Schublade ab. Unsere hochentwickelte Technik mit ihrer weitgehenden Automatisierung färbt auf die menschlichen Charaktere ab und verformt sie immer mehr zu seelenlosen Robotern.- Vermutlich war gerade deshalb Joseph Ratzinger davon überzeugt, dass Hildegards Erhebung zur Kirchenlehrerin der hemmungslosen Verweltlichung der Neuzeit entgegenwirken könnte. Bei Hildegard stimmen noch die Zusammenhänge zwischen Theologie und Kosmologie, zwischen Natur und Übernatur, Naturkunde und Heilkunde, Mensch und Gott. Kein Kirchenlehrer hat derart sinnfällig wie Hildegard die Macht des Bösen, seine Verstrickung mit der Menschenseele, seine Überwindung durch Christus und das Weiterwirken seiner gefesselten Kraft bis zum Weltende geschildert. Auch könnte unserer Zeit, in der zunehmend die Unmoral als allgemeine Lebensform propagiert wird, ihre messerscharfe Definition von Tugend und Laster wieder zu einem normalen Ethikverständnis verhelfen. Der Prophetin Hildegard war der Blick bis zum Jüngsten Tag geschenkt. Sie hat in ihren Visionen das sorglose Dahinschlendern des heutigen Menschen am Rande des Abgrundes geschaut. Doch die große Heilerin begnügte sich nicht mit einer Diagnose, sondern wies gangbare Wege der Umkehr und Therapie. Ihr Werk umfasst die ganze Schöpfung, die Aufgaben der Engel, den Sturz Luzifers und den Sündenfall unserer Stammeltern. Vor allem aber handelt es vom Menschen und vom Sohn Gottes, der sich in ein menschliches Gewand hüllte, um die Welt zu erlösen. Das ist in einer Zeit, in der sich der Homo sapiens wie ein emporentwickeltes Tier verhält, eine entscheidende Rückbesinnung auf die Rolle, die der Schöpfer seinem Lieblingsgeschöpf zugedacht hat.

Dienstag, 20. August 2013

Die Kirchenlehrer

Christlichen Gemeinschaften außerhalb des Katholizismus ist der Begriff des Kirchenlehrers befremdlich. Reformierte Kirchen sind der Überzeugung, dass in der Heiligen Schrift schon die ganze, unteilbare und ausschließliche Wahrheit enthalten ist. Sie fühlen sich nur dieser Wahrheit verpflichtet und betrachten das Ausschöpfen von Mehrdeutigkeiten oder symbolische Auslegungen als unerlaubte Eingriffe. - Die Bibel ist keine leichte geistige Kost. Wer es sich nach Art mancher Sekten allzu einfach macht und ein paar Lieblingssätze herauspickt, um darauf eine komplette Weltanschauung aufzubauen, stößt bald an Grenzen der Ernsthaftigkeit. Altes und Neues Testament gleichen einem prächtigen, weitläufigen Gebäude mit sehr vielen Räumen in zahlreichen Stockwerken. Dieses Gebäude steht jedem offen, der nicht als Dieb, Vandale oder Spötter kommt. Der Besucher kann sich mit einer kurzen Betrachtung der Fassade oder des Erdgeschosses zufriedengeben. Oder er wandert durch das ganze Haus und entdeckt dabei, dass alle Räume kostbare Schätze enthalten. Allerdings wird er für diesen Rundgang erfahrene Begleiter benötigen, die jede Einzelheit vom ersten bis zum letzten Zimmer in einem einleuchtenden Zusammenhang erklären, alleingelassen würde er bald frustriert das Weite suchen. - Kirchenlehrer sind diese Fremdenführer. Sie müssen hohen Ansprüchen genügen, über Wissen, Wahrhaftigkeit und den durch ihre Lebensführung gerechtfertigten Titel "Heiliger" oder "Heilige" verfügen. Die Kirche ist davon überzeugt, dass diese Lehrer von Gott inspiriert und gesandt sind, die Wahrheit zu verkünden und Entstellungen zu widerlegen. Sie sind sehr wichtig, denn die Erfahrung zeigt, dass auch ehrliche Gottsucher in jedem Jahrhundert auf zahlreiche Irrwege gelangen können, in Rückfall zur Vielgötterei, Verehrung eines falschen Gottesbildes, Überbewertung von Nebensächlichem in Verkennung des geistlich Wichtigen, Überbetonung des Jenseits bei sträflicher Vernachlässigung des Diesseits, Überbetonung des Diesseits bei sträflicher Vernachlässigung des Jenseits. Allerdings darf der Führer kein Verführer sein, der dem Schüler eine fanatische Ansicht aufdrängt. Kirchenlehrer sollen in erster Linie die persönliche Überzeugung ihrer Schüler festigen und in Abwägung des Für und Wider die vorurteilsfreie Voraussetzung für die eigene Meinungsbildung schaffen. Das bannt die Gefahr, blindlings die Ansichten einer Autorität zu übernehmen und sie lebenslang ungefiltert nachzuplappern. Eine noch größere Gefahr besteht darin, die Erkenntnisse dieser Geistesgrößen in Archiven abzulegen, deren Türen nur einer winzigen Elite geöffnet sind. Spirituelle Wahrheiten können nur dann fruchtbar werden, wenn sie in verständlicher Form den Weg in die Köpfe des ganzen Kirchenvolkes finden.

Mittwoch, 14. August 2013

Die Hildegard-Renaissance

In den nächsten Jahrhunderten verblasste das Bild Hildegards, sie wurde vergessen. Die Kluft zwischen mystisch-individualistischer Frömmigkeit und klerikalen Zielsetzungen wurde immer größer. Die Kirche strebte nach weltlicher Macht und verteidigte ihren Einfluss mit fester Hand, die Gläubigen näherten sich Gott bevorzugt durch Aktivitäten dienender Nächstenliebe, die Hochschultheologie hatte alle Hände voll damit zu tun. Rechtgläubigkeit zu definieren und Irrlehren zu bekämpfen. Es kamen die Zeitalter der Aufklärung, der innerkirchlichen Reformen und der Reformation. Wenn Mystik noch gefragt war, dann mehr zum Zweck prophetischer Zukunftsschau mit düsterer apokalyptischer Färbung. Die Theologen schälten aus den Evangelien eine dominante Morallehre heraus, die Betonung der Liebe Gottes zu den Menschen und der Liebe der Menschen zu Gott verlor an Bedeutung. - Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde Hildegard wiederentdeckt. Es war eigentlich ein Nebenprodukt ihres sonstigen Schaffens, die in ihrer Authentizität stark umstrittene "Heilkunde", die in breite Schichten Einzug fand und wie ein Eisbrecher den Weg für ihre theologischen Werke freimachte. Das Interesse für die Hildegard-Medizin kam nicht von ungefähr. Im Gegensatz zur modernen Schulmedizin setzt sie den Menschen in Beziehung zu Gott, bettet ihn ein in den Zusammenhang des kosmischen Gefüges und behandelt ihn mit Heilpotenzen aus seinem irdischen Umfeld. Die offizielle Medizin entfernt sich seit knapp hundert Jahren immer weiter von der Natur und verwendet heute fast ausschließlich synthetische Medikamente. Es besteht in großen Teilen der Bevölkerung der Wunsch nach Arznei aus der Herrgottsapotheke ohne chemische Nebenwirkungen. Die meist esoterisch geprägten Verfechter dieser Hildegard-Medizin berücksichtigen allerdings nicht, dass zumindest in Deutschland schon eine hochentwickelte Naturheilkunde auf aktuellem Stand existiert und dass Hildegard eine Heilungsmöglichkeit ohne innere Umkehr zu einem gottgefälligen Lebenswandel verneint. Die von den Anhängern der "Hildegard-Medizin" propagierten Patentrezepte gegen alle möglichen körperlichen und seelischen Leiden sind ohne diese Grundvoraussetzung fragwürdig. - Im Zuge einer breiten Hildegard-Renaissance wurden ihre sämtlichen Werke in ein griffiges Deutsch übertragen, in Themenkreise zusammengefasst, vielfach kommentiert und konnten dadurch auch in die moderne Theologie eingebunden werden.

Freitag, 9. August 2013

Hildegard von Bingen

Hildegard wurde 1098 als zehntes Kind einer pfälzischen Adelsfamilie geboren. Von ihrem dritten Lebensjahr an hatte sie Visionen. Sie sah in einem hellen Licht geheimnisvolle und zukünftige Dinge, die anderen Menschen verborgen blieben. Da man sie deshalb verlachte, verschwieg sie vernünftigerweise diese seltsame Gabe. Im Alter von acht Jahren vertrauten sie ihre Eltern der jungen Adligen Jutta von Sponheim an, die im benediktinischen Kloster am Disibodenberg das Leben einer Reklusin führte. Jutta unterwies sie im Verständnis der Psalmen, in der lateinischen Sprache sowie im Gebrauch eines Musikinstrumentes zur Begleitung des Psalmengesangs. Hildegard vertraute Jutta ihre Visionen an, die diese ernstnahm, sich aber ratsuchend an den Mönch Volmar wandte. Als Hildegard mit fünfzehn Jahren das damals erforderliche Alter für das Ordensleben besaß, nahm sie den Schleier und wurde unter Juttas Leitung Ordensfrau. Bei Juttas Tod war Hildegard achtunddreißig Jahre alt. Die ursprünglich geringe Zahl der Nonnen hatte sich inzwischen stark vermehrt. Hildegard wurde sofort zur Äbtissin gewählt, doch es trat nach einigen Jahren ein Ereignis ein, das sie auf einen unerwarteten Weg führte. Sie beschrieb es selbst : "Im dreiundvierzigsten Jahr meines Weges durch die Zeit erblickte ich ein strahlendes Licht, aus dem eine Stimme an mich erging : " O schwacher Mensch, sage, was du siehst und hörst. Weil du nicht gelernt hast, es aufzuschreiben, vertraue es einem Menschen so, wie es deinen Augen und Ohren vom Himmel her zukommt. Sage es nicht nach deinem Gutdünken, sondern in der Absicht dessen, der in der Verborgenheit alles weiß, sieht und verfügt." Weil sie sich dazu unfähig fühlte, zögerte Hildegard, den Auftrag auszuführen. Erst als sie erkrankte und von vielen Leiden heimgesucht wurde, entschloss sie sich, dem Mönch Volmar ihre Schauungen mitzuteilen und ihm in lateinischer Sprache die Worte der Himmelsstimme zu diktieren. Von da an konnte sie gesund vom Krankenbett aufstehen und ihren Dienst verrichten. Es dauerte zehn Jahre, bis ihr erstes Opus "Wisse die Wege" niedergeschrieben war. Diese große Mühsal des Mitteilens und Schreibens galt auch für ihre beiden nächsten großen Werke "Mensch und Welt" und "Der Mensch in der Verantwortung". In den kommenden Jahrzehnten war ihr Arbeitspensum neben den breitgefächerten Pflichten einer Äbtissin immens, ebenso die Vielfalt ihrer Genialität. Sie dichtete, komponierte, verfasste nebenher Werke über Natur- und Heilkunde, korrespondierte in unzähligen Briefen mit Päpsten, Bischöfen, Äbten, Kaisern, Königen, Fürsten und Weltleuten, die sie um Rat angingen. Auch diese Belehrungen waren von göttlicher Weisheit inspiriert, gefiltert durch Charakter, Erfahrung und Wissen dieser begnadeten Frau. Die kirchliche Obrigkeit unterzog ihre Schriften einer strengen Zensur, erteilte aber fasziniert und überzeugt ihr "Imprimatur". Ihre Werke wurden unzählige Male abgeschrieben und von den Klöstern sowie dem Weltklerus als göttliche Wegweisung verinnerlicht. Als Hildegard 1179 mit einundachtzig Jahren starb, war sie eine Berühmtheit, eine mystische Prophetin und Theologin von weitreichender Bedeutung.

Sonntag, 4. August 2013

Mystik

Mystiker genießen bei der Hochschultheologie keinen besonders guten Ruf. Wie jede Wissenschaft schätzt auch die Theologie durchsichtig Klares, dogmatische Festlegung, scharfe Trennung von Rechtgläubigkeit und Ketzerei, jedenfalls Exegesen, die der Intellekt nachvollziehen kann. Mystik aber ist das Geheimnisvoll-Unrationelle, die persönliche Gotteserfahrung von Menschen unterschiedlicher Bildung in unterschiedlichen Zeitaltern. Die hohe Messlatte, die von der katholischen Kirche bei der Beurteilung von Mystikern angelegt wird, ist berechtigt. Es wimmelt in jedem Jahrhundert von Propheten, die sich im Brustton der Überzeugung auf göttliche Einsprachen, Offenbarungen und Beauftragungen berufen, aber einer Selbsttäuschung erliegen oder bewusst täuschen wollen.. Der echte Mystiker hat durch göttliches Entgegenkommen, gebetseifrige Frömmigkeit, gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift und einen spirituellen Übungsweg Kontakt mit dem Himmel erlangt. Diese Verbindung ist meist mit dem Auftrag verbunden, persönliche Erleuchtungen allen Gläubigen zugänglich zu machen. Konventionelle, pflichterfüllende Religiosität und Mystik sind zwei Gegensätze. Der durchschnittlich Gläubige ist mit Gott flüchtig bekannt, er weiß von ihm Oberflächliches aus zweiter Hand und gibt sich damit zufrieden. Der Mystiker ist Gottes Freund und will möglichst alles über ihn erfahren. Diese Freundschaft schließt Vertrauen und gegenseitige Hilfsbereitschaft ein. "Gegenseitige Hilfsbereitschaft" klingt vorerst paradox. Dass der schwache Mensch göttlichen Beistands bedarf, leuchtet ein, doch welch menschliche Hilfe benötigt der allmächtige Gott? Gottes Sohn war in seinem irdischen Leben immer von Helfern, Aposteln und Jüngern umgeben und hat nach seiner Auferstehung ausdrücklich den missionarischen Dienst seiner männlichen und weiblichen Nachfolger eingefordert. Der Himmel braucht die Menschen, sie sind von Gott als seine Mitarbeiter und Partner erschaffen worden. Die tiefe Kluft, die der Sündenfall zwischen Gott und Mensch gerissen hat, wurde durch die Menschwerdung Christi überbrückt. Der Mensch kann nun wieder ins Reich Gottes heimkehren, wenn er es will. - Ein Mystiker ist kein weit über den Durchschnitt Herausgehobener, kein unverdient begnadetes Genie, kein weltfernes Idol. Jedem Christen steht der mystische Weg offen. Es sind oft sogar schlichte Menschen, Mönche und Nonnen, doch auch Laien aus allen möglichen Berufen, denen ausgeleierte Frömmigkeitsformen und blutleere Abstraktionen nicht mehr genügen. Sie suchen die weitestmögliche Annäherung an Christus bis zur Verähnlichung mit dem Herrn. Das bedeutet vor allem, zu Gott zu sprechen und den Dialog mit ihm zu suchen. Er ist zwar der Unsichtbare, doch immer nah und erreichbar. Er ist sogar näher am Menschen als dessen Blutsverwandte und Freunde.