Freitag, 18. April 2014
Leib und Seele
"Die Seele steht als Herrin im Haus, das Gott für sie gebaut hat. Mit der gesamten Natur wirkt sie im Menschen. Wie die Biene in ihrer Wabe den Honig bildet, vollendet der Mensch mit der Erkenntniskraft der Seele seine Werke. Durch sie gedeiht der Mensch in allen Teilen seines Leibes, sie erfüllt Fleisch und Blut und macht sie lebendig. Leib und Seele sind eine einzige Wirklichkeit. Das ist das Wesen des Menschen : Handelt er recht, bleiben Körper und Seele in der richtigen Spur. Verfällt er aber schlechten Taten, lenkt er strafende Schicksalsschläge auf sich." (Hildegard v.B.) - Leib und Seele sind trotz inniger Gemeinschaft Gegensätze, die sich häufig behindern. Der Leib ist sichtbar und messbar, die Seele unsichtbar und kann sich der Umwelt nicht unmittelbar mitteilen. Dennoch ist die Seele in dieser Partnerschaft der wichtigere Teil. "Wie das Feuer Licht ins Dunkel gießt, gibt die Seele dem Körper das Leben. Sie führt den göttlichen Auftrag aus, wenn sie die heiligen Werke in ihrer leiblichen Wohnung vollendet. Die Seele durchfließt den Leib wie der Saft den Baum. Der Saft bewirkt, dass der Baum grünt, blüht und Früchte trägt. Darum erkenne, o Mensch, welcher Schatz deiner Seele fehlt, wenn du das Gut der Erkenntnis von dir wirfst und dich auf gleiche Stufe mit den Tieren stellst." (Hildegard v.B.) - Ein Mensch ohne religiöse Bindung ist sich seiner Seele nicht bewusst. Auch Anthropologie, Medizin und Psychologie können ihn nicht aufklären. Sie kennen die Seele nur als eine Funktion des Körpers, nicht als eigenständige, eigengesetzliche Dynamik. Sie beschränken sich auf den Leib als Forschungs- und Therapiemodell und unterschlagen seine metaphysische Seelenhaftigkeit. Diese Betrachtungsweise führt zu fundamentalen Irrtümern. Der seelenfreie Leibmensch ist ein Torso und nur die Karikatur des Menschen. Er gleicht einem Baum ohne Wurzel und Wipfel, da er nicht im göttlichen Urgrund ruht und sich nicht zur Überwelt ausstreckt. Nur die Seele des Menschen ist seine Verbindung zum Jenseits. Als Geschenk Gottes ist sie sein Gewissen, sein Leibwächter, aber auch der im Leben angereicherte Schatz, den er einst seinem Richter vorweisen muss. - "Wenn die Zeit zum Abbruch des Zeltes gekommen ist, wandert die Seele seufzend aus und überlässt unter Zittern ihre Wohnstätte dem Verfall. Sie fürchtet das bevorstehende Verhör des ewigen Richters, denn nun erkennt sie Makel und Verdienste ihrer Werke nach dem strengen Urteil Gottes. Während die Seele sich entlöst, kommen lichte und finstere Gestalten herbei, die Genossen ihres Wandels, die Zeugen all der Werke, die sie im Leib vollbracht hat." (Hildegard v.B.)
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