Dienstag, 10. September 2013
Die Hierarchie der Katharer
Die Kirche der Katharer bestand aus dem überschaubaren Kreis der "Vollkommenen" (Perfecti), einer größeren Gruppe von "Eingeweihten" (Illuminati), dem Hauptanteil an "Gläubigen"(Credentes) und unzähligen "Sympathisanten". Höchstes Ziel aller Mitglieder war, in die Elite der "Vollkommenen" aufgenommen zu werden, obgleich dies Ehelosigkeit, sexuelle Abstinenz und fleischlose Kost bedeutete. Verging sich ein "Vollkommener" gegen diese Gebote, verlor er die Gnade der Geisttaufe; auch alle Geisttaufen, die er selbst gespendet hatte, waren hinfällig. Die "Vollkommenen" mussten ihren Besitz der Kirche überschreiben und waren zur Handarbeit verpflichtet. Es war ihnen verboten, Tierfleisch, tierisches Fett und Milchprodukte zu essen, zu fluchen und zu verfluchen. Der Grund für den Vegetarismus lag in der Überzeugung, in den Tierkörpern seien die Seelen Verstorbener eingesperrt, die durch das Verzehren ermordet würden. Auch das Trinken von Alkohol war verboten, man nahm an, dass an der Vergärung pflanzlicher Substanzen Seelen Verstorbener beteiligt wären, denen das Genießen alkoholischer Getränke Schaden zufüge.- Die katharische Bewegung war straff in Diözesen unter Bischöfen organisiert, die Pfarrseelsorge lag in den Händen von Diakonen, die wie die Bischöfe geistgetauft waren. Gottesdienste wurden in der Landessprache abgehalten, die Diakone waren für ihre Missionierungsverpflichtung in Rhetorik gründlich geschult. Als wichtigste Ansprechpartner der Gemeindemitglieder hatten sie sich um Sünder zu kümmern und durften ihnen die Absolution erteilen. Es gab auch eine Art Kommunion, es wurde jedoch nur geweihtes, nicht in den Leib Christi verwandeltes Brot gereicht. Ein makabrer Brauch war der freiwillige Hungertod. Wer unmittelbar nach der Geisttaufe unbedingt in den Zustand vollkommener Reinheit und der Himmelswürdigkeit gelangen wollte, nahm von diesem Zeitpunkt an keine Speise mehr zu sich, er hungerte sich buchstäblich zu Tode. In Zeiten der zahlreichen Verfolgungen war dies auch eine bevorzugte Selbstmordmethode. - Eine Stufe unter den "Vollkommenen" standen die "Eingeweihten", die Anwärter der Geisttaufe. Waren sie getauft, konnten sie nach einem langen Zeitraum moralischer Bewährung in den vollkommenen Stand eines "Guten Menschen" erhoben werden. Nach der Taufe war es ihnen auch erlaubt, das Vaterunser zu beten, allerdings in katharischer Formulierung. - Die "Gläubigen" bildeten die größte Gruppe. Sie waren Mitläufer, erwiesen den Vollmitgliedern Respekt, versorgten sie in Notzeiten mit Lebensmitteln und versteckten sie bei Verfolgungen, doch galten für sie nicht die strengen Vorschriften des Lebenswandels und der Ernährung. Wenn sie für ihre Treue am Ende des Lebens einen Dank erwarteten, konnten sie auf Wunsch durch die Geisttaufe ohne Wartezeit in den Stand der Vollkommenheit erhoben werden. Das bedeutete aber zugleich den Hungertod. - Die unterste Stufe bildeten die "Sympathisanten". Sie waren weder Moralvorschriften noch der Verpflichtung zu sozialen Aufgaben unterworfen. Aber sie standen der Kirche ideell nahe und unterstützten sie in Gefahr.
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