Freitag, 21. Februar 2014

Der Gekreuzigte

"Vom ungläubigen Volk verworfen und zum Leiden geführt vergoss er sein Blut und kostete die Nacht des Todes an seinem Leibe. Aber gerade dadurch überwand er den Teufel und befreite seine Auserwählten aus der Macht der Hölle, von der sie niedergestreckt waren. Er berührte sie durch seine Erlösung und führte sie barmherzig zu ihrem Erbe zurück, das sie in Adam verloren hatten." (Hildegard v.B.) - Das Scheitern des Gottessohnes, Ablehnung, Verfolgung und Kreuzestod waren schon weit vor seiner Menschwerdung fest eingeplant und geschahen nach dem Willen der Dreifaltigkeit. Jesus war der Geopferte für alle Sünden der Welt. Doch er opferte sich freiwillig, die Größe seines Opfers entsprach dem Sündenmaß der Menschen vom Sündenfall Adams bis zu seinem Jahrhundert. - Selbst in der modernen Zeit mit ihren zur perfiden Perfektion ausgereiften Foltermethoden, gilt die von den Römern bevorzugte Kreuzigung als die grausamste aller Hinrichtungsarten. Dennoch waren Art und Zeitpunkt des Todes Christi keine unheilvolle Verkettung zufälliger Umstände, sondern der Schlussakt einer tragischen Entwicklung. Leben und Lehre Jesu, seine schwerwiegenden Anklagen gegen das Establishment, das Ignorieren sinnentleerter Gesetze, der Anspruch auf Anerkennen seiner Göttlichkeit waren für die religiösen Würdenträger eine Provokation und selbst für seine Jünger eine Zumutung. Daran änderten auch seine spektakulären Wunder nicht viel, die Verwandlung von Wasser in Wein, die Brotvermehrung, das Gehen über einen sturmgepeitschten See, die Heilungen und Totenerweckungen. Sie bewirkten bei den zahlreichen Augenzeugen keinen tiefgreifenden Sinneswandel, denn sie wurden nicht in ihrer Bedeutung erkannt, dass nur der Schöpfer der Welt die Macht besitzt, Naturgesetze außer Kraft zu setzen. Die sukzessive Eliminierung Jesu war von langer Hand vorbereitet und gipfelte in einer Häufung von Schändlichkeiten : Verrat, bestochenen Zeugen, einem Schauprozess, der bestialischen Folterung und Dornenkrönung bis zu dem sich mehrere Stunden hinziehenden Todeskampf. - Wenn es auch zynisch klingt, so war dennoch die Kreuzigung Christi der wesentliche Schlussakkord seines Auftrags. So wichtig sein Erdenwandel mit der Berufung der Apostel und der Verbreitung seiner Lehre war, die Erlösung des Menschengeschlechtes von der Sündenschuld, die Entmachtung Satans, die Öffnung der Himmelspforte konnte nur durch das Opfer seines Lebens in der alle Vorstellungskraft übersteigenden Grausamkeit der Kreuzigung geschehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen