Freitag, 14. Februar 2014
Der Lehrer
Jesus predigte in den Synagogen, Dörfern und Städten, er verkündete überall die rettende Botschaft, dass Gottes neue Welt begonnen hatte. Seine schwerste Aufgabe bestand darin, die Zuhörer von seinem messianischen Auftrag zu überzeugen. Vor allem die Schriftgelehrten begegneten ihm mit größtem Unverständnis. Sie wussten von ihren Propheten, dass Gott einen Messias senden würde, doch verbanden sie damit feste Vorstellungen. Er sollte ein mächtiger Herr sein, ein reicher König, ein Heerführer, der sie von der römischen Bedrückung befreit und sie mit Kriegsglück im Kampf gegen alle Feinde segnet. Der Nazarener Jesus aus ärmlichen Verhältnissen war das genaue Gegenteil. - Gott hatte einst sein Volk durch das Gesetz des Moses an sich gebunden, jede menschliche Tätigkeit musste auf ihn bezogen sein. Das führte im Lauf der Zeit zu einer starren Routine, denn das wortgetreue Befolgen der bis ins kleinste Detail festgelegten Ess-, Trink-, Heirats- und Gebetsregeln war den Priestern wichtiger als glaubende Hingabe und das freie Emporschwingen der Seele zu Gott. Jesus hob das mosaische Gesetz nicht auf, sondern komprimierte es auf die Hauptfaktoren Gottesliebe und Nächstenliebe. Er ging in der Umsetzung des Gesetzes noch weiter, er forderte sogar Feindesliebe. Frieden in der Welt kann es nur geben, wenn bei Auseinandersetzungen einer der beiden Kontrahenten trotz Beleidigung, Schädigung und Verletzung auf Vergeltung verzichtet. Noch etwas völlig Neues brachte er den Menschen, das Antlitz des lebendigen Gottes. Gott ist nicht mehr der unendlich Ferne, dessen lichtstrahlenden Anblick die Menschen nicht ertragen können. Er ist in seinem Sohn zu den Menschen gekommen, er ist zu ihrem Bruder geworden, arm wie sie. - Jesus gab seinen Aposteln und Jüngern genaue Anweisungen für die Ausbreitung seiner Lehre. Sie sollten ein Evangelium der Liebe, der Genügsamkeit, des Friedens, der Hilfsbereitschaft und des Verzeihens verkünden. Die Annahme dieser Forderungen setzte eine Abkehr von der allgemein menschlichen Ichsucht voraus. Das "Ich" muss für das "Du" wirken, beide sind eingebettet in Gott. Der Einzelne dient der Welt und wird von ihr getragen. Die Welt ist hingeordnet auf einen liebenden, allgegenwärtigen Gott, sie ist sein Werk und kehrt einst in verwandelter Form zu ihm zurück. - Jesus wusste, dass sich die Welt leidenschaftlich gegen seine Lehre zur Wehr setzen wird. Welt giert unersättlich nach Macht, Reichtum und Genuss. Sie ist nur schwer zu überzeugen, dass diese Wege im katastrophalen Nichts enden. Bei hartnäckiger Ablehnung befahl Jesus seinen Jüngern, weiterzuziehen und keinem die Wahrheit aufzuzwingen. Er verglich seine Botschaft mit Saatkörnern und nahm es in Kauf, dass viele nicht aufgingen. Er prophezeite aber seinen Jüngern, dass diejenige Saat, die nicht auf steinigen Boden fällt, in der Hitze verdorrt oder von Schmarotzern vertilgt wird, reichste Frucht tragen wird.
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