Samstag, 3. Mai 2014

Der Hochmut

"Hochmut ist die Mutter aller Laster und zieht viele Laster nach sich. Luzifer wollte in Selbstüberhebung über Gott hinaus. Sein Hass kämpfte gegen Gottes Gerechtigkeit, in Ungehorsam sprach er Gott jegliche Macht ab. Seine Ruhmsucht erstrebte, Gott gleich zu sein. Betrügerisch verkündete er Gottes Tod. Er verachtete den lebendigen Gott, um sich einen stummen Gott zu wählen. - Der Hochmut ist nackt, hat einen kahlen Kopf und ein weibisches Gesicht mit feurigen Augen und geschlossenem Mund. Statt Armen und Händen besitzt er Fledermausflügel, Bauch und Rücken fehlen, die Brust ist männlich, Beine und Füße ähneln einer Heuschrecke. Er verabscheut das rechte Wort und verleugnet im Herzen Gott und jeden Wert. Er benötigt keine Hände, weil er niemals gibt und auch keine Geschenke Gottes annehmen will. Seine Fledermausflügel dienen nur dem trügerischen, nächtlichen Flug. Blöd und unverhüllt schreitet er einher, in Gesinnung und Handlung ist er ohne Gewandung des Heiles. Jedem, der Gott als den Allumfassenden anerkennt, erweist er Verachtung." (Hildegard v.B.) - Hochmut ist mit Unzufriedenheit, Eitelkeit und Rücksichtslosigkeit verschwistert. Der Hochmütige flieht vor den täglichen Pflichten und erwartet von einer Karriere Erfüllung aller Wünsche. Um das Ziel zu erreichen, bedient er sich der Ellbogen. Er ist von hündischer Unterwürfigkeit gegen Vorgesetzte, ein Heuchler gegen Gleichgestellte und ein brutaler Sklavenhalter seiner Untergebenen. Hat er sich zur Spitze durchgeboxt, krallt er sich mit allen Mitteln daran fest. Er täuscht Fachkompetenz durch Spitzfindigkeit und einen klaren Kurs durch Spiegelfechterei vor. In seiner stolzer Abgehobenheit besitzt er keine Freunde, er ersetzt sie durch Speichellecker. Seine Umgebung interessiert ihn nur, soweit sie ihn untertänig bewundert, er selbst kennt weder Lob noch Anerkennung oder gar Hilfsbereitschaft. Der Hochmütige ist selbstherrlich und ichverliebt. Ebenso wie sein Vorbild Luzifer vergisst er, dass er Existenz und Talente Gott verdankt. Er rechnet seinen Wohlstand dem eigenen Verdienst zu und bedenkt nicht, dass Gott gibt und auch wieder nimmt, wenn sich der Beschenkte der Gabe als unwürdig erweist. - "Ich sah ein großes Feuer, das überall in schlimmster Glut brannte. Eine Masse schauerlicher Schlangen wimmelte darin. In diesem Feuer werden die Seelen derjenigen gepeinigt, die zu Lebzeiten den Hochmut in Wort und Tat in sich aufkommen ließen. Wenn sie diese Strafen vermeiden wollen, müssen sie in demütiger Abtötung die Prahlsucht und die übermütige Hörigkeit zu den bösen Geistern ablegen. Sie sollen ein Bußgewand tragen, häufig zum Beten niederknien, sich züchtigen und in Seufzen und Tränen ihre Sünden bereuen. Das Bußgewand hindert den Geist daran, sich in eitlem Höhenflug zu erheben, Knien im Gebet führt zu Einkehr und Zerknirschung, die Selbstzüchtigung zermalmt die anmaßende Aufgeblasenheit." (Hildegard v.B.)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen