Donnerstag, 22. Mai 2014
Die Streitsucht
"Verdreht ein Mensch mit Vorliebe die Wahrheit, so verfällt er auch dem Streit und beginnt mit seinen Brüdern in Tücke und Gaunerei zu zanken. Er verspottet er, betrügt sie durch schamlose Schliche, schwärzt sie bei der Obrigkeit an und wird rasend vor Zorn, wenn er mit seinem Eigensinn an Grenzen stößt. - Die Streitsucht gleicht einem Menschen mit krausem, schwarzem Haar und feurigem Antlitz. Sie trägt einen mehrfarbigen Mantel, der an den Schultern durchlöchert ist. Durch die Löcher streckt sie ihre Arme, mit der linken Hand hält sie ein Beil und drückt es fest an sich. Sie hat sich schon mehrfach an diesem scharfen Beil verletzt und ihren Mantel mit Blut bespritzt." (Hildegard v.B.) - "Auf dem Kopf der Streitsucht wächst krauses Haar, ein Symbol für verwirrende Gedanken. Durch ihren bunten Mantel wird sie zu einer schillernden Figur, die ihre unsauberen Absichten zudeckt. Ehrlos und unverschämt sinnt sie nur darauf, andere in Händel zu verwickeln. Die Axt zückt sie in aggressiver Wut und Dummheit gegen sich selbst. Ihr Wortschatz ist reich an Schimpfwörtern, ihren körperlichen Attacken gehen verbale Beleidigungen voraus. Sie fühlt sich missverstanden und rächt ihr verletztes Selbstwertgefühl durch Verachtung ihrer Umgebung. Rechtschaffenen Mitmenschen dichtet sie Diffamierungen ihrer Person an und geht mit aller Bosheit dagegen vor. Besänftigungen überhört sie, denn ihr Sinn geht nach unaufhörlichem Weiterbrodeln von Unversöhnlichkeit." (H.Strickerschmidt) - Streitsüchtige erwarten von aller Welt Perfektion, es genügt ihnen nicht das Gewissenhaft-Ordentliche. Da es diese Vollkommenheit nicht geben kann, suchen sie ständig nach Mängeln. Sie begegnen jedem Menschen in der Absicht, Fehler an ihm zu entdecken. Den Unwillen, den sie mit ihrer ungeschminkten Kritik erregen, benützen sie, ihren angeblich guten Geschmack und ihren Sittenkodex als allgemeinverbindlich hinzustellen. So schaffen sie sich viele Feinde durch Besserwisserei. Werden ihre unerbetenen Ratschläge abgewiesen, geraten sie in Wut und verachten die Unbelehrbaren. Sie erstreben nicht Harmonie und Eintracht, sondern eine Atmosphäre der Gereiztheit, deshalb provozieren sie törichte Auseinandersetzungen um nichtige Probleme. Wie sich läppischer Nachbarschaftszwist zu bitterböser, jahrzehntelanger Feindschaft auswächst, geht es auch in der großen Weltpolitik zu. Wo grundsätzlich die Bereitschaft fehlt, auf eigennützige Standpunkte zu verzichten und die Ansprüche der Gegenseite zu respektieren, werden nie die Kriege enden. - Die Gegenspielerin der Streitsucht ist der Frieden. "Ich aber bin ein Heilmittel für jede Zerstörung, die du verursachst. Wo du Wunden schlägst, da mache ich wieder heil. Die unrechten Kämpfe und die ewigen Streitereien achte ich für nichts. Bin ich doch ein Gebirge aus Myrrhe und Weihrauch, voll von Wohlgerüchen. Auf dem obersten Gipfel wohne ich und gleiche einer Wolke, in der sich Gott verbirgt. Wie ich über alle Himmel weiterziehe, werde ich auch über dich hinweggehen. Wo du dich selbst verletzt und blind den Einflüsterungen der bösen Geister nachgibst, bleibe ich von Dauer und werde dir keine Ruhe geben." (Hildegard v.B.)
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