Freitag, 16. Mai 2014
Die Habsucht
"Die Habsucht trägt großes Verlangen, sich jedes wertvolle Ding anzueignen, weil sie davon überzeugt ist, dass sich mit ihrem Besitz auch ihre Erkenntnis vermehrt. Sie schmückt sich mit kostbaren Ringen, prächtigen Armbändern und sonstigem Geschmeide, um damit prahlen zu können und von ihrer Umgebung geachtet zu werden. Sie geht Hand in Hand mit der geistigen Verschlossenheit und kennt nicht Liebe zu Gott noch verlässliche Treue zum Nächsten. Der Gierige reißt alles an sich, den Mitmenschen missgönnt er das karge Brot zum Überleben. Er gleicht den Hunden, die überall herumstreunen und nicht zu sättigen sind, er gleicht einem Geier, der nur seiner flatternden Gefräßigkeit lebt. Der wahre Gott bleibt seiner Grobheit fremd, sonst müsste er sich ändern und in Bescheidenheit wandeln."(Hildegard v.B.) - Hildegard sieht die Habsucht als weibliche Gestalt. Sie ist in ein weißes Gewand gehüllt, weil sie als vornehm gelten möchte; es soll so aussehen, als würde sie alles Zusammengeraffte einem edlen Zweck zum Nutzen der Armen zuführen. Sie verhüllt ihr Haupt, weil sie ihr Laster vor der Umwelt verbergen möchte. Ihre Leitbilder heißen Geiz, Profitgier und Maßlosigkeit, dabei sollte sie sich von den Tugenden Freigebigkeit und Genügsamkeit leiten lassen. Habsüchtige verkapseln sich in ihrem Ich und ignorieren fremde Not, sie wollen nicht mit Elend konfrontiert werden. Ihr Laster ist ein allgegenwärtiges Krebsübel und an keine gesellschaftliche Klasse gebunden. In der Berufs- und Partnerwahl spielen bei Habgierigen nicht Sympathie und Eignung eine wichtige Rolle sondern kommerzielle Erwägungen. Freundschaften werden unter dem Blickwinkel der Lukrativität geschlossen, der Anschluss an Vereine, Parteien und Clubs spekuliert auf klingende Münze. Alles muss sich rentieren und rechnen. Der Unersättlich-Habsüchtige schachert Grundbesitz zusammen, leistet sich an allen Sonnenstränden Luxushäuser und sammelt Edelkarossen, der Minderbemittelte dieser Zunft ergaunert sich von sozialen Einrichtungen hemmungslos unverschämte Vorteile. Den Nachkommen hinterlässt er nichts, er reicht weder das, was er von seinen Vorfahren ererbt hat noch das, was er selbst erworben hat, an die nächste Generation weiter. Bis ins hohe Alter kostet er seinen Besitz bis zur Neige aus. - Hildegard stellt der Habgier die Entweltlichung gegenüber, dem Verfallensein ans Irdische die Verachtung jeglichen Tandes. Nichts hat Bestand, nichts wird im Jenseits zählen, wonach der Habsüchtige sein ganzes Leben gejagt hat, kostbares Outfit, Rang, Titel, Grundbesitz und Bankguthaben. Der unablässige Kampf um Befriedigung der Eitelkeit hat ihm die Zeit zum Erwerb bleibender Schätze gestohlen. - "Die aber, die vor dem ewigen Tod fliehen, den Nächsten als Bruder und Schwester ehren, Gott lieben und nach den Freuden ewiger Verheißungen verlangen, sollen sich vor der Habsucht hüten und all ihr Tun Gottes Willen anpassen."(Hildegard v. B.)
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