Freitag, 15. November 2013
Der Sündenfall
"Es ist von Anfang an zu erwarten, dass der Teufel neidisch auf den Menschen wird, wenn er entdeckt, dass nun der Mensch aus Erdenlehm Erbe des Glanzes Luzifers ist." (H.Gosebrink) Der einstige Engelsfürst Luzifer wusste, dass er Gott keinen größeren Schmerz zufügen kann, als wenn er den Menschen zu sich herüberzieht; auch hoffte er, dass seine Kampfkraft durch Mitstreiter aus dem Menschengeschlecht ins Gigantische wachsen würde. "Der Mann ist das Bild Gottes, die Frau ist das Bild des Mannes, sie ist nicht so nah an Gott wie der Mann." (H.Gosebrink). Eva war für Luzifer interessanter und angreifbarer als Adam. Er sah, dass Adam Eva so sehr liebte, dass er auf ihre Wünsche bereitwillig eingehen würde, deshalb stimmte er seine Verführung auf die weibliche Mentalität ab. - Bei Hildegard geschieht der Sündenfall auf eine spezielle Art. Gott bot dem Menschen eine weiße Blüte an, damit er sie pflücke und in sich aufnehme. Der Genuss dieser Blüte würde in ihm die wahre Erkenntnis von Gut und Böse erwecken, doch der Mensch lehnte das Geschenk ab. "Wie schon Luzifer die Kooperation verweigerte, weigert sich nun auch der Mensch, das, was Gott ihm als Auszeichnung und Aufgabe anbietet, anzunehmen und fällt dadurch in die Finsternis. Aus dem biblischen Baum der Erkenntnis, von dem der Mensch verbotenerweise isst, wird bei Hildegard eine Blume der Erkenntnis, die der Mensch zu essen sich weigert." (H.Gosebrink.) - Ein Denkmodell für die herkömmliche Schilderung des Sündenfalls könnte darin bestehen, die Bäume des Paradieses den Tugenden der Engels-Chöre zuzuordnen. Der Genuss ihrer Früchte war den Menschen nicht nur erlaubt, sondern sogar empfohlen. Den entarteten Baum Luzifers ließ Gott unangetastet, doch verbot er Adam und Eva, davon zu essen. Das Giftig-Berauschend-Dämonische dieser Äpfel bestand darin, eine luziferische Erkenntnis zu schenken, ein seichtes, oberflächliches Wissen von den Naturgesetzen ohne Bezug zu einem göttlichen Schöpfer. Außerdem schwätzte Luzifer Eva eine gefährliche Definition von Gut und Böse auf. Demnach ist für den Menschen nur die absolute Freiheit gut und erstrebenswert, böse aber jede Einengung und Zügelung seiner Selbstbestimmung. Auch ist es für ihn wichtig, bei allen Entscheidungen nicht nur Einschränkungen zu erfahren, sondern vor allem weiterführende kluge Ratschläge. Zu dieser Wegweisung bot sich der Teufel bereitwillig an. Eva war von dieser Logik fasziniert und überzeugte Adam, dass es für ihren Fortschritt lebensnotwendig war, eine Arbeitsverpflichtung abzuwälzen und sich über die Bevormundung durch ein sinnloses Verbot Gottes hinwegzusetzen. - Nach dieser entscheidenden Wahl war für die beiden Menschen kein Platz mehr im Himmel. Sie hatten leichterringbaren Intellekt der Weisheit, respektloses Aufbegehren dem Gehorsam, Hochmut der Demut und Satanshörigkeit dem Dienst an Gott vorgezogen.
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