Freitag, 22. November 2013
Die Verbannung
Ein Schleier des Vergessens umhüllte Adam und Eva in der ersten Zeit nach der Vertreibung aus dem Paradies. Sie wussten nichts mehr vom Anblick ihres Schöpfers und von dem vertrauten Umgang mit ihm. Ihre neue Umgebung zeigte sich rau, unwirtlich und voller Gefahren. In der Nacht fürchteten sie sich und froren vor Kälte. Da sie Hunger litten, mussten sie lernen, sich von den Gütern der Erde zu ernähren. Sie erfuhren die geschlechtliche Liebe, paarten sich und wurden zu Eltern. Ihre Kinder und Enkel zeugten viele Nachkommen. einige waren fleißíg, hilfsbereit und liebevoll, andere nichtsnutzig, träge, gehässig und schreckten vor Mord und Totschlag nicht zurück. - Nach dem Sündenfall ging ein Riss durch die Schöpfung. Die Tiere hatten ihre Zutraulichkeit verloren, sie flohen vor den Menschen oder bedrohten sie. "Da die Kooperation zwischen Mensch und Gott nicht mehr stimmte, geriet auch die Kooperation des Menschen mit der übrigen Schöpfung aus dem Gleichgewicht. Durch die Sünde war der Kosmos wie auch der Mensch verwüstet und vertrocknet. Die grünende Lebenskraft welkte durch den gottlosen Irrwahn der verblendeten Menschenseelen. Jedes andere Geschöpf strebt in dankbarer Erkenntnis zu dem hin, der es hervorgebracht hat, nur der Mensch ist ein Rebell. Er hat durch seine Sünde nicht nur die Elemente der Schöpfung beschädigt, sondern auch sich selbst tiefe Wunden zugefügt. Die grundsätzliche Verwundung, durch die der Mensch außerhalb des Paradieses krank wird, ist die Traurigkeit, die Melancholie. Von ihr befallen leidet der Mensch an umfassendem Sinnverlust und Hoffnungslosigkeit. Er vergisst, dass er mit einer besonderen Teilhabe an der göttlichen Erkenntnis ausgestattet ist." (H.Gosebrink). Das Hauptmerkmal des Himmels war Einklang im Zusammenspiel Gottes mit den Engeln. Die Abspaltung Luzifers geschah in einer grellen Dissonanz. Nach dem Engelssturz teilte sich der Kosmos in die ewige Harmonie des Himmels und die Disharmonie des Nichthimmels. Sowohl Luzifer wie später auch Adam verloren den Wohlklang ihrer Stimmen, mit denen sie einst am Gesang der Engel teilnehmen durften. Die natürliche Stimme des Teufels ist ein unmusikalisches Krächzen, doch ist es ihm möglich, Wohlklang vorzutäuschen. Auch kann er mit seiner Zauberkraft aus der Gestalt des Drachen schlüpfen und jede beliebige Figur vom Tier bis zum Engel annehmen. - Hatten die Menschen auch Gott aus ihrem Bewusstsein verdrängt, vergaß er doch nicht sie und suchte immer wieder das Gespräch mit ihnen. Die meisten verstopften die Ohren vor seiner Stimme, um sich nicht ihrer Verkehrtheiten schämen zu müssen. Doch in jeder Generation gab es Fromme, die sich danach sehnten, aus den Umschlingungen des Bösen befreit zu werden.
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