Freitag, 1. November 2013

Throne, Cherubim, Seraphim

Auch die "Throne" besitzen keine äußerliche Menschenähnlichkeit. Als Friedensfürsten wecken sie in den Menschen die Bereitschaft, sich mit verfeindeten Brüdern zu versöhnen, blindem Hass zu entsagen, die Schwerter in Pflugscharen umzuschmieden und auf fanatische Rechthaberei zu verzichten. Ihr Streben zielt nach dem harmonischen Zusammenleben von Männern und Frauen verschiedener Nationalität und Hautfarbe. Sie künden von Maria, der geistigen Morgenröte, dem Sitz der Weisheit, der Mittlerin und Versöhnerin. Die Existenz der "Throne"weist darauf hin, dass sich der Gottessohn einst aus der seligen Jungfrau einen menschlichen Leib anziehen wird, unbefleckt von aller Schuld. - Die "Cherubim" schauen in Gottes Anblick die Ordnung der himmlischen Geheimnisse. Hildegard sieht sie als vielflügelige Lichtgeister, übersät von einer Unzahl Augen. In der Tiefe ihres Wissens erkennen sie in ihrem omnipräsenten Schauen diejenigen Menschen, die in der Sehnsucht nach Erkenntnis der Wahrheit mit allen Kräften nach dem Schöpfer aller Dinge suchen. Ihr unermüdlicher Flügelschlag deutet hin auf die weltweite Ausbreitung von Gottes Segen und Spiritualität. Sie verscheuchen in den Gläubigen die Finsternis der Seelen, die Traurigkeit der Herzen, die Schwermut der Verlassenheit. - Die "Seraphim" bilden den innersten, innigsten Kreis. Hildegard sieht sie in einem flutenden, feurigen Licht als Millionen von Flügeln. Voll flammender Liebe ist ihr ganzes Begehren auf die Anschauung Gottes und das Entzünden der Begeisterung in den Herzen der Menschen gerichtet. Als Gipfel der geistigen Rangordnung spiegeln sie die himmlische Hierarchie, die das Vorbild für die irdische Priesterschaft bildet. Am Beispiel ihrer lauteren Reinheit sollte das Sinnen und Trachten aller Würdenträger der Kirche erblühen. Deshalb muss mitreißende Überzeugungskraft die hervorstechendste Eigenschaft der religiösen Führer sein, nicht Gleichgültigkeit, mutloses Duckmäusertum, leere Betriebsamkeit, Anpassung an den Weltgeist, Toleranzsucht und hochmütiges Abgehobensein der Gelehrten vom einfachen Volk.

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