Samstag, 18. Januar 2014

Der Tod des Johannes

Der tugendhafte Wandel des Johannes ließ viele glauben, er sei der von den Propheten geweissagte Messias. Die Isrealiten sandten in dieser Erwartung Priester und Leviten zu ihm, doch er antwortete ihnen, er sei weder Christus noch einer der Propheten, sondern der Rufer in der Wüste. Er taufe nur mit Wasser, um auf denjenigen vorzubereiten, der mit Heiligem Geist taufen werde. Ohne Scheu und Ansehen der Person brandmarkte er die Laster und Mißstände des Volkes und der Regierenden. Damals herrschte in Israel der König Herodes Antipas. Er galt als skrupelloser Tyrann, der vor keiner hinterhältigen Gemeinheit zurückschreckte. Seine panische Angst vor Unruhen im eigenen Land oder kriegerischen Gefahren von außen stachelte ihn zu blindem Hass an, jede Regung von Bedrohung radikal niederzuschlagen. Herodes lebte mit seiner Schwägerin, der schönen und prachtliebenden Herodias, in ehebrecherischer Verbindung. Johannes wagte es, vor den Herrscher zu treten und ihn schonungslos zu maßregeln. Daraufhin ließ ihn Herodes in den Kerker werfen. Dennoch empfand der König eine gewisse Sympathie für den Asketen. Er hielt ihn für wundermächtig und im Besitz magischer Fähigkeiten, deren Handhabung er ihm gern entlockt hätte. Auch imponierte ihm die Hochachtung, die ihm sowohl das einfache Volk wie auch die Schriftgelehrten entgegenbrachten. Er ließ häufig den Propheten aus dem Kerker in seine königlichen Gemächer bringen, um sich mit ihm zu unterhalten. Diese Dialoge zwischen dem Weisen und dem gekrönten Schwachkopf verliefen sehr einseitig. Die Bestie interessierte sich nicht für spirituelle Wahrheiten, sondern brauchte nur einen geduldigen Zuhörer für sein eitles, sophistisches Geschwätze. - Das Leben des Täufers neigte sich dem Ende zu. Als einst Salome, die bezaubernde Tochter der Herodias, vor Herodes als Höhepunkt einer der zahllosen Orgien einen lasziven Schleiertanz aufführte, wollte er sie dafür fürstlich belohnen und versprach, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Mutter Herodias riet Salome in ihrem zügellosen Hass auf den unbequemen Mahner, den Kopf des Johannes zu fordern. Noch während des Gastmahles befahl der König den Henker ins Verlies zu Johannes, um dort seines Amtes zu walten. Alles geschah in Windeseile. Ein Diener präsentierte auf einer goldenen Schale den angetrunkenen Gästen das blutige Haupt des Propheten.

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