Freitag, 31. Januar 2014

Menschwerdung

"Als Gott die Seele des Menschen an den Leib aus Erdenlehm band, plante er bereits, dass er im Falle des Falles diesen Erdenleib selber anziehen wird, um den gefallenen Menschen zurückzuholen und ihm im Himmel und auf Erden den Platz wiederzugeben, für den er eigentlich geschaffen ist. Die Engel im Himmel aber haben kein Verständnis für den armseligen Leib des Menschen, in dem sich nun der wunderbare Glanz des schönsten Engels befindet. Aber diesem Lehmklumpen gilt die große Liebe Gottes. Deshalb sieht Hildegard ihn im Herzen des Vaters. Hier versinnbildlicht er den göttlichen Ratschluss, dass der Sohn Gottes, der aus seinem Herzen hervorgeht, das Bild des Menschen in sich trägt, damit kein Engel den Menschen verachten kann. Hildegard versteht die Menschwerdung in Christus als den Höhepunkt des göttlichen Ratschlusses, den Schöpfer in der Schöpfung zu zeigen. Wo sie jedoch die Menschwerdung von der Revolte Luzifers herleitet, steht der Gedanke der Erlösung im Mittelpunkt." (H.Gosebrink) - „Gott sandte der Welt, die in so großer Finsternis des Unglaubens darniederlag, zu ihrer Erlösung seinen Sohn, der auf wunderbare Weise aus der Jungfrau geboren wurde als wahrer Gott und wahrer Mensch. Seiner Gottheit nach ging er von mir, dem Vater aus, seiner Menschheit nach nahm er Fleisch an aus der Jungfrau Mutter. So ließ ich meinem Sohn, den ich im Herzen trage, Fleisch annehmen, damit er allen, die glauben, das Heil des Lebens bringe. Der Mensch konnte ja nicht den Menschen befreien. Ein Größerer musste kommen, ihn zu retten. Nicht kann der, der selbst in Sünden geboren ist, den sündigen Menschen dem Verderben des Todes entreißen." (Hildegard v.B.) - Die Geburt Christi war nicht nur ein zentrales geschichtliches Ereignis, sondern sie läutete die Wende zur Endzeit ein. Gottes Schöpfermacht hat sich in die Welt verströmt. In Freiheit durfte alles wachsen und sich verwirklichen, nun naht die Zeit der Ernte. Gottvater sendet seinen Sohn auf die Erde, um Krankes zu heilen, Unwissendes zu belehren und Gefangene aus der Gewalt Satans zu befreien. Gottes Sohn wird aber auch die Spreu vom Weizen trennen. Die Spreu besteht aus denen, die sich permanent dem Heil verweigern, den Unbelehrbaren und den Wohlfühl-Sklaven der Welt. - Das demütige Herabsteigen Gottes wird für immer eine alle Dimensionen sprengende Liebestat bleiben. Die Gestalt Christi passt in keine Schablone und in keine Denkweise des vordergründig Sichtbaren. Wenn sich der Mensch nur an seine banale Körperlichkeit klammert, verrät er die Teilhabe seiner Seele am Göttlichen. Ebenso wenig hat er Zugang zu einem Heiland, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er verniedlicht ihn entweder zum Gutmenschen oder schiebt ihn ins Reich der Mythologie ab. Beide Zerrformen besitzen keine Erlösungskraft. Nur der Glaube, der eine starre Scheuklappen-Wissenschaftlichkeit umstürzt, kann derm Gottessohn gerecht werden. Auf der einen Seite steht Christus in der Reihe der Propheten, die der Schöpfer immer wieder seinem Volk gesandt hat, um die Verirrten zu retten. Doch er ist viel mehr als ein Prophet, er ist nicht nur Wegweiser, er selbst ist der Weg. Er verkündet nicht nur die Wahrheit, er selbst ist die Wahrheit. Er lehrt nicht nur das rechte Leben. Wer ihm nachfolgt, wird den Tod besiegen und das ewige Leben besitzen.

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