Samstag, 25. Januar 2014
Die Taufe
Die Taufe des Johannes unterscheidet sich wesentlich von der heutigen Taufpraxis der traditionellen christlichen Kirchen..Johannes führte den göttlichen Befehl aus, die Menschen seiner Gegend zur Umkehr aufzurütteln. Sie sollten sich ihrer Verworfenheit bewusst werden, die Größe ihrer Schuld bekennen und ehrlichen Herzens bereuen. Waren diese Voraussetzungen erfüllt, traten sie ins Wasser des Jordan und Johannes tauchte ihren Kopf für einige Sekunden unter. Bei dieser Form des völligen Eintauchens ins Wasser wird der Täufling für kurze Zeit seinem natürlichen Lebensraum entzogen und einer Todeswelt ohne das wichtigste Lebenselement Atemluft ausgeliefert. Diese dramatische Zeremonie reinigte die Sünder von ihrer Schuld, sie konnten dem künftigen Strafgericht in Form einer Feuertaufe entgehen. Dass sich auch Jesus, der sündenlose Gottessohn, in die lange Reihe der Schuldbefleckten einordnete, hat nicht nur Johannes verstört, er gab damit auch den künftigen Theologen ein schwerlösliches Rätsel auf. Es mag sein, dass sich Jesus so vollständig mit der Menschheit identifizierte, dass er auch die menschliche Erbsünde auf sich nahm und sie durch die Taufe tilgte. Hildegard bietet eine andere schlüssige Erklärung. Als Jesus in das Wasser des Jordan stieg, weihte er damit nicht nur dieses Jordanwasser, sondern alles irdische Wasser der ganzen Welt und aller Zeiten mit seinem göttlichen Segen. "Um die Menschheit dem Widersacher zu entreißen, erweckte Jesus den Quell des Heiles. Er selbst, das Lamm Gottes, heiligte das Wasser, damit es die Altheit der Adamssünde tilge. Er trat in das Wasser ein, damit die alte Schlange, die den Menschen betrogen hatte, in diesem Bade ertrinke." (Hildegard v.B.) - Von dieser frühen Taufe, die an die Gestalt des Johannes und an seinen göttlichen Auftrag gebunden war, unterscheidet sich grundlegend der heutige Taufritus der katholischen und lutherischen Kirche. Nicht mehr der Erwachsene kehrt um von seinem sündigen Lebenswandel, sondern das Kleinkind ohne persönlich erworbene Sündhaftigkeit wird durch Übergießen mit geweihtem Wasser getauft. Es geschieht hier einerseits das Abwaschen einer Urschuld, die allen Menschen seit dem Verrat an Gott anhaftet. Andererseits ist die Taufe die formelle Aufnahme des neuen Erdenbürgers in die Gemeinschaft der Gotteskinder. Hildegard sieht die Neugeborenen wie auch die törichten Menschen, die noch nicht im Bad der Erlösung von der Schuld abgewaschen sind, als kleine schwarze Kinder. Sobald an einem Menschen unter Anrufung des Heiligen Geistes die Taufe vollzogen wird, zieht ihn Christus zu sich empor. Von jedem der Kinder wird die schwarze Haut abgelöst und durch ein weißes Gewand ersetzt. Die Getauften werden mit dem Glanz des Heiles bekleidet und in die Herrlichkeit des seligen Erbes, aus dem der erste Mensch verstoßen wurde, eingeführt. Durch dieses Bad nimmt sie die Mutter Kirche als ihre Kinder an. Das Taufritual ist deshalb nicht nur eine feierlich gestaltete Formalität ohne seelisch-geistige Verbindlichkeit, sondern es bewirkt eine tiefgreifende Umwandlung. "Wie der Mensch dem Fleische nach durch die Schöpfermacht Gottes in der Gestalt Adams geboren wird, so erweckt der Heilige Geist die Seele zum Leben durch die Übergießung mit Wasser. Wie der Menschenleib zunächst durch die Liebe gebildet wird, so wird der Geist des Menschen nachher vor den Augen Gottes im Wasser belebt. Nur wer den Quell des Heiles und damit den Bund der Gerechtigkeit annimmt, findet das Leben und wird gerettet." (Hildegard v.B.)
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